Entwicklungsumgebungen in der Kita gestalten

Strategien zur Förderung der Selbstregulationskompetenz durch Raumgestaltung, Scaffolding und Interaktionsqualität

Sabine Georg

Lesezeit: 3 Minuten
Kindergartenkinder recken die Arme als Teil einer Übung zum Thema Selbstregulation © pexels pavel danilyuk

Kindertageseinrichtungen bieten viele natürliche Situationen, in denen Kinder Selbstregulation üben können: Beim Zuhören im Morgenkreis trainieren sie ihre Aufmerksamkeit, beim Abwechseln im Spiel die Impulskontrolle und beim Einhalten von Spielregeln ihr Arbeitsgedächtnis. Rollenspiele unterstützen zudem flexible Denkprozesse, fördern die Fähigkeit zum Perspektivwechsel und helfen Kindern, ihr Verhalten gezielter zu steuern.

Weil Selbstregulation eng mit einer gesunden körperlichen und mentalen Entwicklung, späterem Schulerfolg und insgesamt mit einem zufriedeneren Leben im Erwachsenenalter zusammenhängen, sind Kindergärten wichtige Orte der Prävention. Schon die Gestaltung des Alltags – unabhängig von speziellen Programmen – kann viel zur Förderung der Selbstregulationskompetenz (SRK) beitragen, besonders für Kinder, die in diesem Entwicklungsbereich einen höheren Unterstützungsbedarf haben.

Eine warmherzige und sichere Atmosphäre

Studien zeigen, dass Kinder ihre SRK besonders gut entwickeln, wenn sie sich in einer emotional unterstützenden Umgebung befinden. Dazu gehört, dass Erzieherinnen und Erzieher Wärme, Mitgefühl und Sensibilität zeigen, Gefühle der Kinder ernst nehmen und sie trösten, beruhigen oder ermutigen, wenn sie es brauchen.

Wichtig ist auch, dass die Perspektive der Kinder berücksichtigt wird – etwa indem ihre Interessen bei der Auswahl von Aktivitäten aufgegriffen werden. Ein positives Klima in der Gruppe, geprägt von einem freundlichen Ton, gegenseitigem Respekt und echter Begeisterung, wirkt ebenso förderlich.

Im Gegensatz dazu können ein negatives Klima mit Härte, Sarkasmus oder Ärger sowie häufiges Bestrafen die Entwicklung der SRK beeinträchtigen. Auch Stress und Unsicherheit bei erwachsenen Bezugspersonen, im Elternhaus wie im Kindergarten, beeinflussen diese Entwicklung.

Unterstützung, die Kinder mitnimmt, aber nicht überfordert

Kinder profitieren am meisten von einer Unterstützung, die ihnen Orientierung gibt, ohne ihnen Lösungen vorwegzunehmen. Dieses sogenannte Scaffolding bedeutet, Hilfen so dosiert einzusetzen, dass Kinder eigenständig weiterkommen können.

Dabei spielt die Qualität des Feedbacks eine große Rolle: Wenn Fachkräfte Ideen der Kinder aufgreifen, ihre Denkprozesse anregen und ihnen Rückmeldungen geben, die sie zum Weiterdenken motivieren, stärkt das ihre SRK. Auch anregende Lerngelegenheiten wie Rollenspiele, Regelspiele oder frühe mathematische und sprachliche Aufgaben tragen dazu bei, weil Kinder dabei strukturieren, planen und sich selbst steuern müssen.

Ebenso wichtig ist die sprachliche Begleitung durch Erzieherinnen und Erzieher, die Sprache modellieren, neue Begriffe einführen und Kinder durch Fragen dazu anregen, ihr Denken und Handeln zu erklären. All dies hilft ihnen, Schritt für Schritt von der Ko-Regulation zur Selbst-Regulation zu gelangen.

Klare Strukturen und vorhersehbare Abläufe

Eine klare und verlässliche Struktur im Tagesablauf erleichtert Kindern, sich sicher zu fühlen und ihr Verhalten zu organisieren. Dazu zählt ein vorhersehbarer Rhythmus mit festen Abläufen sowie ein Verhaltensmanagement, das Orientierung gibt und Verhalten liebevoll umleitet, statt nur zu sanktionieren.

Auch ein geordneter, übersichtlicher Raum unterstützt die Selbstregulation, da er Reizüberflutung vermeidet und es Kindern erleichtert, sich zurechtzufinden. Umgekehrt zeigen Studien, dass Chaos, Lärm und Unvorhersehbarkeit die Entwicklung von Selbstregulation erschweren.

Eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern wirkt zusätzlich positiv, da sie Sicherheit schafft und das Kind konsistent begleitet.

Lernangebote, die Selbstregulation direkt anregen

Bestimmte Aktivitäten eignen sich besonders gut, um Selbstregulation zu fördern. Rollenspiele ermöglichen Kindern, in andere Rollen zu schlüpfen, Handlungen zu planen, Regeln einzuhalten und Konflikte sprachlich zu lösen – Fähigkeiten, die eng mit Selbstregulation verbunden sind.

Regelspiele und Kleingruppenaktivitäten bieten weitere Übungsfelder, da Kinder hier warten, Absprachen treffen und Impulse kontrollieren müssen.

Auch musikalische und bewegungsreiche Spiele fördern Selbstregulation, etwa wenn Kinder auf ein „Stopp“-Signal reagieren oder gemeinsam Rhythmen einhalten.

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass strukturierte Aufgaben eher die kognitive Selbstregulation unterstützen, während offene spielerische Angebote stärker die emotionale und verhaltensbezogene Selbstregulation anregen. Die Studienlage ist in diesem Bereich allerdings noch begrenzt.

Emotionen der Fachkräfte wirken mit

Emotionen übertragen sich zwischen Menschen – auch im Kindergarten. Und besonders Kinder reagieren sehr sensibel auf emotionale Schwingungen in ihrem Umfeld. So wirken sich Freude, Begeisterung und Engagement der Erzieherinnen und Erzieher positiv auf die Kinder aus, während Nervosität, Frustration oder gar Gereiztheit sich negativ bemerkbar machen können. Emotionen beeinflussen zudem, wie gut Fachkräfte Struktur geben, motivieren, mit Störungen umgehen und Lernprozesse begleiten.

Eine stabile emotionale Selbstregulation der Fachkräfte ist daher ein wichtiger Baustein für gelingende Selbstregulation der Kinder. Denn Kinder orientieren sich am Verhalten ihrer Bezugspersonen. Zeigen Bezugspersonen durch ihr Verhalten eine vorbildhafte emotionale Selbstregulation, so hat dies auch eine ko-regulierende Funktion und unterstützt Kinder auf ihrem Weg hin zu selbstreguliertem Verhalten.

Fazit: Was können pädagogische Fachkräfte tun?

  • Wärme zeigen: Gefühle benennen, Sicherheit geben.
  • Struktur bieten: Klare Abläufe, übersichtliche Räume, faire Regeln.
  • Gezielte Unterstützung geben: Fragen stellen, Denkprozesse anregen, Erklärungen einfordern.
  • Spielräume schaffen: Rollenspiele, Regelspiele, Kleingruppenangebote.
  • Autonomie ermöglichen: Entscheidungen zulassen, Selbstständigkeit fördern.
  • Gemeinsames Lernen stärken: Kinder gemeinsam Probleme lösen lassen.
  • Eigene Emotionen reflektieren: Ruhe bewahren, Begeisterung zeigen.

So entsteht eine Lernumgebung, in der Kinder ihre Selbstregulationsfähigkeiten Schritt für Schritt ausbauen können.