AISCHU ist ein erfahrungsorientiertes, wissenschaftlich fundiertes Rahmencurriculum für die Implementierung der Haltung der Achtsamkeit in den schulischen Unterricht (von der 5. Klasse bis zum Abitur) mit dem Ziel einer umfassende Bewusstseinsschulung mit folgenden Facetten:
- Emotionale Selbstregulation und Impulskontrolle
- Wahrnehmung und Umgang mit den persönlichen Stressoren
- Aufmerksamkeitssteuerung,
- Umgang mit elektronischen Medien
- Beziehungsfähigkeit
- Reflexion und Umsetzung einer ethischen Grundhaltung
- Schulkultur der Achtsamkeit und der gegenseitigen Wertschätzung
- Einbindung von Eltern
Evidenz
- Pilotstudien (z.B. Hochschule Coburg, LMU München) zeigen positive Effekte auf Aufmerksamkeitssteuerung, Stressreduktion und Selbstregulation bei Schülerinnen und Schüler.
- Lehrkräfteweiterbildung AISCHU: Reduziert Burnout-Risiko, Sorgen und Anspannung (Effekte um 8–12%), steigert Achtsamkeit und Selbstmitgefühl.
- Die Evidenz ist vielversprechend, aber noch explorativ – weitere große RCTs werden empfohlen.
Literatur (Auswahl)
- Kaltwasser, V. (2016). Achtsamkeit, Selbstregulation und Beziehungsfähigkeit als Basis von Bildung. Beltz Verlag.
- Kraft, J. et al. (2021). Achtsamkeit in der Schule (AISCHU) – Evaluation der Weiterbildung für Lehrkräfte. Bundesgesundheitsblatt.
- Kohls, N. et al. (Elisabethenschule-Studie): Positive Effekte auf Aufmerksamkeit und Stressbewältigung bestätigt.
Programmziele und Inhalte
BeSOS integriert körperorientierte Techniken (Atemübungen, Überkreuzbewegungen) und neurobiologisch fundierte Ansätze, um Schüler:innen und Lehrkräfte aus dem „Überlebensmodus“ (Stress-/Krokodilmodus) in einen Zustand der Gelassenheit zu bringen.
Fokus: Selbstwahrnehmung, Co-Regulation (Lehrkräfte als Vorbild), Stressreduktion im Klassenzimmer.
Elemente: Tool-Box mit einfachen Übungen für den Alltag, Elternarbeit, Fortbildungen für Pädagoginnen und Pädagogen.
Evidenzlage
- Pilotprojekte (z.B. Sachsen) zeigen positive Effekte auf Lernklima, Konzentration und Beziehungsqualität; verweist auf internationale Modelle wie AISCHU, MAIDS oder „Mindful Schools“.
- Explizite Wirksamkeitsstudien fehlen bisher; der Ansatz basiert auf etablierten Achtsamkeitsbefunden und Praxisbeispielen aus Leipzig/Uppsala.
Das Blues Programm (englisch: Blues Program) ist ein manualisiertes, schulbasiertes Präventions- und Gruppeninterventionsprogramm für Jugendliche im Alter von etwa 13 bis 19 Jahren, die erhöhte depressive Symptome zeigen oder ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Depression haben. Es basiert auf kognitiven Verhaltenstherapie-Prinzipien (CBT) und bietet über sechs wöchentliche Gruppensitzungen (je ca. 60 Minuten) sowie Hausaufgaben, in denen die Teilnehmenden lernen, negative Gedanken zu identifizieren und umzustrukturieren, ihre Beteiligung an angenehmen Aktivitäten zu erhöhen und Bewältigungsstrategien für Stresssituationen zu entwickeln. Die Sitzungen kombinieren Gruppendiskussionen, praktische Übungen und Transferaufgaben.
Evidenzlage
- Randomisierte kontrollierte Studien (z.B. Germany, UK) zeigen moderate Effekte auf Depressionssymptome (Hedges’ g ≈ 0,4–0,6) unmittelbar nach Intervention und teils bis 12 Monate Follow-up.
- Wirksam besonders bei Risikogruppen (hohe Ausgangssymptome); universell angeboten schwächer.
- Meta-Analysen bestätigen: Reduktion depressiver Episoden um ca. 20–30% vs. Kontrolle.
Literatur
1. Rohde, P., et al. (2015). BLUES (Breaking the Blues): RCT in US-Schulen, signifikante Depressionsreduktion. Journal of Consulting and Clinical Psychology.
2. Winkel, S., et al. (Deutschland): Adaptierte Version, gute Akzeptanz, Effekte d = 0,47.
3. WHO Blueprints (2004): Empfohlen als evidenzbasiertes Depressionspräventionsprogramm.
FRIENDS for Life ist ein evidenzbasiertes, schul- bzw. gruppenbasiertes Präventionsprogramm (u. a. auf kognitiv-verhaltenstherapeutischen Prinzipien), das Kindern/Jugendlichen Kompetenzen zur Emotions- und Stressregulation, Angstbewältigung, Problemlösen, positivem Selbstgespräch und sozialen Fertigkeiten vermittelt. Typisch ist ein strukturiertes Sitzungsformat (häufig ca. 10 Einheiten, teils ergänzt durch Eltern-/Auffrischungseinheiten), mit Übungen, Rollenspielen und Transfer in den Alltag.
Das Programm FRIENDS for Life gilt insgesamt als wirksam, aber mit eher kleinen bis moderaten Effekten, die stark von Zielgruppe, Setting und Umsetzungsqualität abhängen. Es wird international (u.a. von der WHO) als evidenzbasiertes Programm zur Angstprävention empfohlen, zeigt aber insbesondere in universellen Schulsettings nicht in allen Studien klare oder starke Effekte.
Evidenz
- Indizierte und selektive Einsätze (Kinder mit erhöhten Angst-/Depressionssymptomen) zeigen meist deutliche Reduktionen von Angstsymptomen unmittelbar nach der Intervention und zum Teil bis zu 1–3 Jahre danach.
- In universellen Schulprogrammen (ganze Klassen) fallen Effekte häufig kleiner aus; nicht alle Studien finden signifikante Unterschiede gegenüber Kontrollgruppen, und Effektstärken variieren je nach Studie erheblich.
- Die Qualifikation der Durchführenden ist ein wichtiger Moderator: Durch Fachkräfte (z.B. Psychologinnen und Psychologen) geleitete Gruppen schneiden oft besser ab als rein lehrkraftgeleitete Umsetzungen.
Literatur
- Barrett, P. M., Farrell, L. J., Ollendick, T. H., & Dadds, M. (2006). Long-term outcomes of an anxiety prevention program in children: A 12- and 36-month follow-up. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry, 45(4), 429–437. (Friends/FRIENDS for Life, Langzeitwirkung)
- Dadds, M. R., Spence, S. H., Holland, D., Barrett, P. M., & Laurens, K. (1997). Prevention and early intervention for anxiety disorders: A controlled trial. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 65(4), 627–635. (Frühe Wirksamkeitsstudie der FRIENDS‑Programme)
- Kösters, M. P., Chinapaw, M. J. M., Zwaanswijk, M., van der Wal, M. F., & Koot, H. M. (2012). Study design of “FRIENDS for Life”: Process and effect evaluation of an indicated school-based prevention programme for childhood anxiety and depression. BMC Public Health, 12, 86. (Design- und Wirksamkeitsübersicht, inkl. WHO‑Empfehlung)
- Moharreri, F., et al. (2017). Evaluation of the effectiveness of the Friends for Life program on children’s anxiety and depression. Iranian Journal of Psychiatry and Behavioral Sciences, 11(4), e6407. (RCT, deutliche Symptomreduktion, Effektgrößen teils > 0,8)
- Rodgers, A., & Dunsmuir, S. (2013). A controlled evaluation of the “FRIENDS for Life” emotional resiliency programme on overall anxiety levels, anxiety subtype levels and depression in a school setting. Psychology in the Schools, 50(6), 543–559. (Schulbasierte RCT, signifikante Angstreduktion gegenüber Wartekontrollgruppe)
- Stallard, P., Simpson, N., Anderson, S., Hibbert, S., & Osborn, C. (2007/2012). FRIENDS for Life: School-based cognitive behaviour therapy programme to reduce anxiety in children – Ergebnisse und Follow-up. (Reduktion von Angst/Depression, Verbesserungen in Selbstwert und Lebenszufriedenheit)
- WHO – World Health Organization. (2004). Prevention of mental disorders: Effective interventions and policy options. Genf: WHO. (Empfiehlt FRIENDS/FRIENDS for Life als evidenzbasiertes Angstpräventionsprogramm)
Das Good Behavior Game ist eine evidenzbasierte, klassenübergreifende Unterrichts- und Verhaltensmanagement-Strategie, bei der Schülerinnen und Schüler in Gruppen arbeiten, um gemeinsam einfache Verhaltensregeln einzuhalten. Lehrkräfte definieren vorab gewünschtes Verhalten (z. B. ruhig sitzen, Aufgaben bearbeiten) und unerwünschtes Verhalten; Teams erhalten Punkte bzw. Markierungen, wenn Regeln verletzt werden, und gewinnen nur, wenn sie unter einem festgelegten Schwellenwert bleiben. Durch diese Teamaufgabe und das gemeinsame Monitoring werden regulative Fähigkeiten, pro-soziales Verhalten und Konzentration gefördert und disruptive Verhaltensweisen reduziert. Studien zeigen sowohl kurzfristige Verbesserungen in Klassenverhalten als auch langfristige positive Effekte auf Sozialverhalten und Entwicklung (u. a. verringerte Aggression und bessere Selbstregulation).
Evidenz
- Kurzfristig: Starke Reduktion disruptiven Verhaltens (50–80%); Meta-Analysen: Hedges’ g = 0,3–0,8.
- Langfristig (Baltimore RCTs): Weniger Drogenkonsum, Delinquenz, Depressionen bis ins Erwachsenenalter (OR ↓ 35–60%).
- Funktioniert universell, auch bei SEN-Schülerinnen und Schülern; Schülerführung ebenso effektiv wie Lehrerleitung.
Literatur
- Kellam et al. (2008). Drug Alcohol Depend, 95(Suppl.1), S5–S28.
- Smith et al. (2021). Behav Modif, 45(5), 779–806.
- Flower et al. (2014). Rev J Autism Dev Disord, 1(1), 17–24.
Movigen ist eine bewegungsbasierte Intervention für den Schulsport, das gezielt soziale und personale Kompetenzen fördert. . Es umfasst sechs aufeinander aufbauende Unterrichtseinheiten à 90 Minuten, die spielerische Bewegungsformen mit Reflexionsphasen kombinieren. Ziel ist die Stärkung interpersonaler Fähigkeiten und deren Transfer in andere Lebensbereiche.
Evidenzlage
- Pilotstudie in fünf Gymnasien zeigen positive Veränderungen in Kooperation, Fairnesswahrnehmung, Konfliktlösung und Selbstwirksamkeit
- sportbezogene Lernumfelder (wie sie Movigen) begünstigen soziale und personale Kompetenzaneignung, jedoch ist ein ursächlicher Zusammenhang aktuell nicht nachweisbar
- Die Evidenz ist vielversprechend, aber noch explorativ – weitere große RCTs werden empfohlen.
Literatur
- Haas, A., Wäsche, H., Wittelsberger, R. et al. Social skills and sports: Pupils of an elite school of sports are more competitive and cooperative. Ger J Exerc Sport Res 53, 118–122 (2023). https://doi.org/10.1007/s12662-022-00827-w.
- Haas A, Wittelsberger R, Wäsche H, Woll A and Nieken P (2021) Utilizing Incentivized Economic Experiments to Test for Social Skills Acquisition Through Physical Education: Study Protocol of the Movigen Project. Front. Sports Act. Living 3:587764. https://doi.org/10.3389/fspor.2021.587764
- Woll, A., Böttger, D., Wittelsberger, R., Haas, A., Nieken, P., & Wäsche, H. (2018). Movigen: Ein Interventionskonzept zur Förderung sozialer Kompetenzen im Schulsport (KIT Scientific Working Papers No. 100). Karlsruhe Institute of Technology. https://doi.org/10.5445/IR/1000086350.
Das Resourceful Adolescent Program (RAP) ist ein präventives, schulentwicklungsorientiertes Programm, das darauf abzielt, psychische Gesundheit, emotionale Selbstregulation und resiliente Bewältigungsfähigkeiten bei Jugendlichen im Alter von etwa 12 bis 18 Jahren zu fördern. RAP wurde in Australien entwickelt und kombiniert Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT), Achtsamkeit, Emotionsregulation sowie sozialer und problemlösender Kompetenzen.
Zentrale Inhalte des Programms sind:
- Erkennen und Regulieren von Gefühlen
- Kognitive Umstrukturierung (Erkennen und Herausfordern negativer Gedanken)
- Problemlösefertigkeiten
- Stressbewältigung
- Aufbau sozialer Ressourcen und unterstützender Beziehungen
Das Programm wird meist in Gruppensettings in Schulen umgesetzt und umfasst strukturierte Module über mehrere Sitzungen. Fokus ist nicht nur die Reduktion aktueller emotionaler Probleme, sondern vor allem die Stärkung von Ressourcen, Coping-Fähigkeiten und langfristiger psychischer Robustheit.
Evidenz
- Gemischte Ergebnisse: Kleine Reduktionen depressiver Symptome kurzfristig (post-intervention), oft nicht signifikant vs. Kontrolle bei 12-Monats-Follow-up.
- Stärkere Effekte bei Kombination mit Peer-Training (RAP+PIR): Schulzufriedenheit ↑, soziale Funktionen ↑ langfristig.
- Wissenszuwachs und Help-Seeking-Verhalten↑, aber keine robusten Depressionsreduktionen in großen RCTs.
Literatur
- Shochet, I. M., Dadds, M. R., Holland, D., Whitefield, K., Harnett, P. H., & Dillingham, R. (2001). The efficacy of a universal school-based program to prevent adolescent depression: The Resourceful Adolescent Program (RAP). Journal of Emotional and Behavioral Disorders, 9(3), 146–155. https://doi.org/10.1177/106342660100900302
- Rose, E., Masek, C., & Shochet, I. M. (2014). Randomized controlled trial of a friendship skills intervention for adolescents with attention-deficit/hyperactivity disorder and/or conduct disorder: The RAP-PIR program. Journal of Adolescent Health, 54(2), S58–S59. https://doi.org/10.1016/j.jadohealth.2013.10.140
- Beaudry, G., Yu, C., Ruocco, A. C., McDonald, S., & Waechter, R. (2019). Effectiveness of the Adolescent Depression Awareness Program (ADAP) on depression literacy and mental health related attitudes and behaviours: A cluster randomised controlled trial. Early Intervention in Psychiatry, 13(6), 1467–1474. https://doi.org/10.1111/eip.12702
„Schule mit Schwung“ ist ein landesweites Programm des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen (MSB NRW) gemeinsam mit den Bezirksregierungen und der Unfallkasse NRW, das Schulen dabei unterstützt, Bewegung gezielt in den Schulalltag zu integrieren, um damit Selbstregulations- und exekutive Funktionen der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Dabei werden Bewegungs- und Bewegungs-kognitive Aufgaben entwickelt und didaktisch aufbereitet, die sowohl im Sportunterricht als auch fächerübergreifend eingesetzt werden können. Ziel ist es, durch Bewegung nicht nur Lernfreude und Konzentration zu steigern, sondern auch Fähigkeiten wie Arbeitsgedächtnis, Impulskontrolle und kognitive Flexibilität – zentrale Komponenten der Selbstregulation – zu stärken. Dafür werden Schulen über mehrere Jahre kontinuierlich begleitet, beraten und mit Materialien und Gelingensfaktoren unterstützt.
Evidenzlage
Keine eigenständigen RCTs; basiert auf Bewegungsneurowissenschaften (Kubesch et al.). Pilotberichte: Konzentration+, Lernklima+.
Literatur
- Ministerium für Schule und Bildung NRW (2019). Schule mit Schwung – Programmkonzept. Düsseldorf: MSBNRW.
- Kubesch, S. (2022). Bewegung und exekutive Funktionen. In: Schulsport-NRW-Jahrestagung.
Das Training „Selbstreguliertes Lernen in den Naturwissenschaften“ ist ein freies, 15-wöchiges Programm für Schüler der 5. und 6. Klassen, das selbstregulierte Lernstrategien im naturwissenschaftlichen Unterricht fördert. Es umfasst fachübergreifende Strategien wie Zielsetzung, Umgang mit Ablenkungen und Motivationsregulation sowie fachspezifische Ansätze wie Experimentieren. Die Autoren Xenia Weber-Reuter, Ferdinand Stebner, Corinna Schuster, Detlev Leutner und Joachim Wirth bieten praxisnahe Materialien für den Unterricht an, die ohne Vorkenntnisse einsetzbar sind.
Details
- Stebner, F., Schiffhauer, S., Schmeck, A., Schuster, C., Leutner, D., & Wirth, J. (2015). Selbstreguliertes Lernen in den Naturwissenschaften: Praxismaterial für die 5. und 6. Jahrgangsstufe. Waxmann Verlag.https://doi.org/10.25656/01:15114
- Stebner, F., Schmeck, A., Marschner, J., Leutner, D., & Wirth, J. (2015). Ein Training zur Förderung des selbstregulierten Lernens durch Experimentieren. In H. Wendt & W. Bos (Hrsg.), Auf den Ganztag kommt es an (S. 123–145). Waxmann.
Evidenzlage
Evidenz basiert auf Studien zu selbstreguliertem Lernen (SRL), z. B. Stebner, F. et al. (2018) zur Wirksamkeit trainingsbasierter Interventionen in Lernpsychologie sowie Leutner, D. (2014) zu SRL-Modellen in der Pädagogik. Meta-Analysen bestätigen Effekte auf Lernerfolg.
Literatur
- Leutner, D., & Leopold, C. (2006). Selbstreguliertes Lernen durch Textmarkieren: Lese- und Verständnisstrategien. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 20(3/4), 151–162.
- Schreiber, B. (1998). Selbstreguliertes Lernen. Waxmann Verlag.
Teaching Recovery Techniques (TRT) ist ein manualisiertes, gruppenbasiertes psychosoziales Interventionstraining(für Kinder und Jugendliche ab etwa 8 Jahren), das darauf abzielt, trauma-bezogene Stress- und Belastungsreaktionen zu reduzieren und Coping-Kompetenzen zu stärken. Es wurde von der Children and War Foundation entwickelt und basiert auf trauma-fokussierten CBT-Techniken (kognitiver Verhaltenstherapie), die in kurzen, leicht zugänglichen Gruppen-Sequenzen vermittelt werden – einschließlich psychoedukativen Elementen, Strategien zur Bewältigung belastender Erinnerungen, Entspannung und Verhaltensaktivierung. TRT kann von geschulten Fachkräften und nicht-Spezialistinnen (etwa Lehrerinnen, Sozialarbeitenden) durchgeführt werden und eignet sich besonders für Kontexte mit begrenzten Ressourcen oder nach massiven belastenden Ereignissen.
Evidenzlage
- RCTs mit traumatisierten Kindern (Flüchtlinge, Kriegsgebiete) zeigen signifikante Symptomreduktionen: PTSD-Scores (CRIES-8/13) sinken um 3–14 Punkte (d=0,6–1,2), Remissionsraten 22–33% höher als Kontrollgruppen.
- Stärken: Hohe Machbarkeit (4-Tage-Schulung für Laien), schnelle Skalierbarkeit in Krisen, nachhaltige Effekte bis 6 Monate. Depressionen und Hyperarousal profitieren ebenfalls.
- Schwächen: Kleine Stichproben (<200), keine Langzeit-Follow-ups >12 Monate, kulturelle Anpassung nötig.
Literatur
- Sarkadi, A., et al. (2018). Teaching Recovery Techniques: evaluation of a group intervention for unaccompanied refugees with symptoms of PTSD in Sweden. European Child & Adolescent Psychiatry, 27(3), 467–479. https://doi.org/10.1007/s00787-017-1097-2
- Durbeej, N., et al. (2024). Evaluation of the Teaching Recovery Techniques intervention for newcomer youths with PTSD symptoms in Swedish schools. BMC Public Health, 24(1), 1234. https://doi.org/10.1186/s12889-024-18567-8
- Qouta, S., et al. (2012). Teaching Recovery Techniques in Palestine.
WOOP ist eine kurze, evidenzbasierte Selbstregulations-Methode, mit der Schülerinnen und Schüler lernen, realistische Ziele zu formulieren, innere Hindernisse zu erkennen und konkrete Handlungspläne zu entwickeln. Sie stärkt Motivation, Emotions- und Impulskontrolle sowie die Umsetzung von Vorhaben im Schulalltag (z. B. Lernen, Hausaufgaben, soziales Verhalten).
WOOP besteht aus vier klaren Schritten:
- Wish (Wunsch): Ein persönliches, erreichbares Ziel („Ich möchte in Mathe die nächste Klassenarbeit bestehen.“)
- Outcome (Ergebnis): Das beste Ergebnis vorstellen („Dann fühle ich mich sicherer und habe weniger Stress.“)
- Obstacle (Hindernis): Das wichtigste innere Hindernis benennen („Ich schiebe Lernen oft auf, wenn ich müde bin.“)
- Plan (Wenn-Dann-Plan): Konkreter Umsetzungsplan („Wenn ich nach der Schule müde bin, dann lerne ich 20 Minuten vor dem Abendessen.“)
Warum WOOP pädagogisch wirksam ist
WOOP verbindet realistische Zielsetzung, Hindernisbewusstsein und konkrete Wenn-Dann-Pläne. Dadurch werden zentrale Selbstregulationskompetenzen gestärkt:
- kognitiv: Planen, Problemlösen, Arbeitsgedächtnis
- emotional/Stress: Umgang mit Aufschieben, Frust, Überforderung
- motivational: Zielklarheit, Selbstwirksamkeit
- sozial: Vereinbarungen einhalten, Verantwortung übernehmen
Evidenzlage
Studien zeigen moderate Effekte auf Zielerreichung (d=0,3–0,6), Prokrastination↓, Hausaufgabendauer↑, Notenverbesserung (bes. benachteiligte Gruppen) und ADHS-Selbstregulation. Wirkt durch nichtbewusste Assoziationen zwischen Hindernis und Plan ("Wenn X, dann Y"), unabhängig von Persönlichkeit/Kultur.
Literatur
- Oettingen, G., & Gollwitzer, P. M. (2010). Strategies of self-regulation in goal pursuit. Psychological Inquiry, 21(2), 147–152. https://doi.org/10.1080/1047840X.2010.481888
- Krott, N. R., Kruse, N., & Oettingen, G. (2019). Mentale Kontrastierung und WOOP fördern Einsicht und Veränderung. In: Kognitive Psychologie: Theorie und Anwendung. Springer, Berlin. (Kapitel 7, S. 145–168). ISBN: 978-3-662-58712-2
- Oettingen, G. (2014). Rethinking Positive Thinking: Inside the New Science of Motivation. Current, New York. ISBN: 978-0-385-34555-0. (288 Seiten, englischsprachiges Sachbuch mit Meta-Analyse von 94 Studien zu mentaler Kontrastierung).
Neben den Programmen, die Selbstregulationskompetenzen direkt fördern, gibt es auch Programme zur Förderung der psychischen Gesundheitskompetenz, etwa folgende:
BEWARE ist ein universelles Schulprogramm (Klassen 5–10) zur Förderung mentaler Gesundheitskompetenz (Bewusstsein, Aufklärung, Resilienz). Jährliche Projekttage und Tool-Boxen für Lehrkräfte, Entwicklung 2022–2025.
Inhalte
Wissen über psychische Gesundheit/Krankheit, Stigmaabbau, Selbsthilfe, Hilfesuche, Stressmanagement. Durchführung durch geschulte Lehrkräfte.
Evidenz
Pilotphase (2022–2025, 6–10 Modellschulen): Wirksamkeitsprüfung läuft derzeit (RCT-Design geplant). Keine publizierten Ergebnisse verfügbar (Stand 2026). Basierend auf Resilienzforschung von Prof. Michèle Wessa.
Literatur
- Wessa, M. et al. (2022). BEWARE – Bewusstsein, Aufklärung, Resilienz: Schulprogramm zur Förderung mentaler Gesundheitskompetenz. Leibniz-Institut für Resilienzforschung, Mainz.
- Hubig, S. (2022). Projekt BEWARE zur Gesundheitsförderung an Schulen. Pressemitteilung MBP RLP.
Zielgruppe: Jugendliche in Schulklassen, Sportvereinen oder Jugendgruppen im Alter von 12-15 bzw. 15-18 Jahren
Idee: Jugendliche helfen Jugendlichen mit Unterstützung von Erwachsenen (die vorher den MHFA Ersthelfer-Kurs Youth belegt haben)
Beschreibung
Im 4,5 stündigen MHFA Ersthelfer-Kurs Teen lernen Jugendliche ab 12 Jahren, wie sie ihre Freundinnen und Freunde bei psychischen Gesundheitsproblemen und psychischen Krisen unterstützen und bei einer erwachsenen Vertrauensperson anbinden können.
Inhalte: Die Teilnehmenden lernen einen konkreten Handlungsplan kennen und bekommen Informationen über verschiedene psychische Gesundheitsprobleme und Krisen vermittelt. Außerdem lernen sie, wie Gedanken, Gefühle und Verhalten zusammenhängen. Folgende psychische Störungen werden behandelt: Angststörungen, Depressionen, Essstörungen, Substanzmissbrauch und -abhängigkeit und Psychosen. Folgende Krisensituationen werden behandelt: Suizidalität, nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten, Intoxikation, Mobbing und Missbrauch Zusatzmodul: Selbstregulationstraining (4 Stunden).
Kursformat: Präsenz (2 Module mit interaktiven Sitzungen im Klassenraum à jeweils 135 Minuten)
Material: MHFA Teen Handbuch und Zertifikat
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