Einfache Übungen und Programme bieten vielfältige Möglichkeiten, die Selbstregulationskompetenzen in der Kita zu stärken. Eine Integration in den Alltag ist ohne großen Mehraufwand möglich. Als Einstieg in eine systematische Förderung eignet sich die Erprobung einzelner Übungen, um deren Passgenauigkeit für die jeweilige Gruppe zu evaluieren.
Jede Übung wird durch eine Übersicht mit folgenden Informationen ergänzt:
- Kurze Beschreibung der Übung
- Geförderte Bereiche der Selbstregulation
- Zugehörigkeit zu einem übergeordneten Programm (falls zutreffend)
Für eine vertiefte Auseinandersetzung steht zu jeder Übung eine ausführliche Beschreibung bereit. Diese beinhaltet eine praxisorientierte Anleitung zur Umsetzung im Unterricht sowie Hintergrundinformationen zur Anpassung an die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Lerngruppe. Die hier aufgeführten Übungen dienen als niedrigschwelliger Einstieg in die Förderung von Selbstregulationskompetenzen. Für eine umfassende und strukturierte Umsetzung empfiehlt sich die Nutzung umfangreicherer Programme oder der Besuch einer entsprechenden Fortbildung.
Kurzes Warten
Die Übung besteht darin, alltägliche kurze Wartezeiten bewusst zu gestalten, indem Kinder freundlich und klar zum Warten aufgefordert, über den Grund informiert und beim Einhalten der Wartezeit unterstützt werden. Ziel ist, das Warten altersangemessen zu üben, Erfolge zu loben und bei Schwierigkeiten ermutigend zu begleiten, um die Impulskontrolle schrittweise zu stärken.
Fördert: Impulskontrolle
Dauer: 1-20 Minuten
Material: keins
Im Alltag gibt es viele Gelegenheiten, bei denen Kinder kurz warten müssen: zum Beispiel bevor sie loslaufen dürfen, bevor gemeinsam mit dem Essen begonnen werden kann oder bevor man im Spiel an der Reihe ist. Solche Gelegenheiten können genutzt werden, um die Impulskontrolle der Kinder zu stärken, wenn Sie dabei folgendes beachten:
- Sprechen Sie Ihre Aufforderung zu warten, freundlich, aber auch klar und deutlich aus.
- Geben Sie eine kurze Erklärung, warum das Warten notwendig ist
- Teilen Sie dem Kind mit, woher es wissen kann, dass die Wartezeit zuende ist.
- Machen Sie einen Vorschlag, wie sich die Wartezeit gut überbrücken lässt, wenn es mal länger dauert.
- Achten Sie darauf, dass die Wartezeit altersangemessen ist. Ein Dreijähriges Kind kann in etwa zwei Minuten warten, ein 5-6 jähriges Kind maximal 20 Minuten.
- Das Warten muss sich für das Kind lohnen; am Ende sollte es seinen Impuls umsetzen dürfen.
- Loben Sie das Kind, wenn es ihm gelungen ist, erfolgreich (ohne quengeln) zu warten.
- Gelingt es dem Kind nicht zu warten, schimpfen Sie nicht. Drücken Sie Ihr Vertrauen aus, dass es beim nächsten Mal bestimmt besser klappen wird.
Autorin: Sabina Pauen
“Was kommt als nächstes?”-Dialoge
Diese kurze Intervention dient dazu, Kindern durch klare, wiederholte Schritt-für-Schritt-Anleitungen und bei Bedarf visuelle Hilfen (wie Bildkarten) kognitive Abläufe einzuprägen und ihre Handlungsplanung zu fördern. In alltäglichen Routinen (z. B. Händewaschen) lernen sie so, Abläufe vorherzusehen, selbstständig zu benennen und schrittweise umzusetzen
Fördert: Motivationale Selbstregulationskompetenzen, Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit
Dauer: 20-60 Sekunden
Material: evtl. Bildkarten
- Beschreiben Sie dem Kind in kurzen, klaren Sätzen die nächsten Schritte („Erst Hände nass machen, dann Seife drauf, dann abspülen.“).
- Wiederholen Sie die Abfolge regelmäßig in Alltagssituationen wie anziehen, aufräumen oder Händewaschen.
- Binden Sie das Kind aktiv ein („Was kommt jetzt?“, „Was passiert dann?“, „Erinnerst du dich an den nächsten Schritt?“)
- Nutzen Sie bei Bedarf Bildkarten oder Gesten zur visuellen Unterstützung.
- Loben Sie, wenn das Kind Schritte selbst benennt oder durchführt.
Autorin: Franziska Köhler-Dauner
Bau einen Flugball
Die Kinder bauen aus Bällen und Bastelmaterialien Flugbälle und experimentieren mit Wurftechniken. Hierbei wird ergebnisoffenes, gemeinsames Entdecken und Forschen geübt.
Fördert: Impulskontrolle, kognitive Flexibilität, motivationale Selbstregulationskompetenzen, soziale Selbstregulationskompetenzen
Aus dem Programm: “MINT-Bildung für nachhaltige Entwicklung” der Stiftung Kinder forschen
Dauer: 1-3 Stunden
Material: ein fertiger Flugball, bunte Krepppapierstreifen, etwa 4-5 cm breit und 130 cm lang, Zeitungen oder anderes Altpapier, Stoffreste, z.B. aus alter Kleidung, ca. 25 x 25 cm, Schere und Schnur, ggf. weiche Füllmaterialien, z.B. Watte, Schaumstoff, Laub, Wolle
Zielgruppe: 3-10jährige Kinder und begleitende Pädagog:innen
1. Alltagsbezug
Bälle unterscheiden sich in Größe, Form, Material und Nutzung. Kindern fallen zunächst bekannte Bälle wie Fußball oder Tennisball ein, doch es gibt viele mehr. Ballspiele sind generationenübergreifend beliebt und zielen meist darauf ab, den Ball gezielt zu bewegen – umso spannender ist es, wenn er sich unerwartet verhält.
2. Flugball bauen
Die Kinder sammeln verschiedene Bälle und beschreiben Zustand, Eigenschaften und Nutzung. Anschließend entwickeln sie gemeinsam einen Flugball. Ein vorbereiteter Flugball dient als Anschauungsobjekt, das zerlegt und untersucht wird. Daraus entsteht eine einfache Bauanleitung mit Materialien, Bauteilen und Reihenfolge.
3. Wurftechniken testen
Draußen testen die Kinder ihre Flugbälle mit unterschiedlichen Wurftechniken. Sie experimentieren mit Kraft, Abwurfpunkten, Griffen, Fußstößen und dem Einfluss des Windes, um verschiedene Flugbahnen zu erzeugen.
4. Flugverhalten vergleichen
Das Flugverhalten hängt von Eigenschaften wie Form, Gewicht und Füllung ab. Die Kinder bauen Varianten, die sich jeweils nur in einem Merkmal unterscheiden, um Unterschiede besser vergleichen zu können.
5. Wissenswertes für Erwachsene
Bälle können luftgefüllt, fest gefüllt oder massiv sein. Ihr Flugverhalten wird durch Form, Aufbau, Masse, Umweltbedingungen und die Wurftechnik beeinflusst. Ein gut fliegender Fußball wiegt 410–450 g bei einem Umfang von 68–70 cm.
Diese Beschreibung ist eine gekürzte Version des gleichnamigen Experiments der Stiftung Kinder forschen: “Bau einen Flugball”
Autor: Stephan Gühmann
Philosophieren mit Kindern - “Die große Bande und der kleine Bonbon”
Die Kinder bekommen die Aufgabe, einen Bonbon einem Mitglied der großen BNE-Bande zu schenken. Sie lernen dabei, unterschiedliche Perspektiven anzuerkennen und wertschätzend zu kommunizieren
Fördert: Kognitive Selbstregulationskompetenzen (insbesondere kognitive Flexibilität), Soziale Kompetenzen
Aus der Fortbildung: “Tür auf! - Mein Einstieg in Bildung für nachhaltige Entwicklung” der Stiftung Kinder forschen
Vor den Kindern liegt ein Bild der Mitglieder der “großen Bande”. Jedes Kind aus der teilnehmenden Gruppe überlegt, welchem Mitglied der Bande es einen Bonbon schenken würde und legt den Bonbon auf dieses Mitglied. Das nächste Kind darf den Bonbon verschieben, wenn es das möchte. Nachdem jedes Kind einmal dran war, sprechen die Kinder miteinander und begründen ihre Wahl. Wer hat den Bonbon wohl aus welchem Grund welchem Bandenmitglied geschenkt? Verstehen die Kinder die unterschiedlichen Gründe? Worin unterscheiden sie sich?
Runde 1: Niemand darf sprechen
Eine oder einer beginnt und legt den Bonbon zu dem Bandenmitglied, dem sie oder er den Bonbon geben würde.
Es wird noch immer nicht gesprochen! Hat das nächste Kind eine andere Idee, legt sie oder er den Bonbon zu einer anderen Person. Das wird wiederholt, bis alle mindestens einmal dran waren.
Runde 2: Jetzt dürfen die Kinder sprechen
Wer hat den Bonbon aus welchem Grund zu der entsprechenden Person gelegt? Versteht ihr gegenseitig eure Gründe? Worin unterscheiden sie sich?
Autor: Stephan Gühmann
Gefühls-Ampel
Anhand einer gebastelten Ampel werden den Kindern Emotionen erklärt. Sie lernen, ihre eigenen Emotionen zu beobachten und sie einzuordnen. In einem weiteren Schritt werden Regulationsstrategien besprochen.
Fördert: Emotionsregulation
Dauer: 10-20 Minuten Vorbereitung
Material: gebastelte Ampel oder Bildkarten
1. Vorbereitung
- Basteln Sie eine Ampel mit drei Farben oder nutzen Sie passende Bildkarten (z. B. 5 Grundemotionen: Freude, Trauer, Angst, Wut, Ekel, Überraschung)
- Platzieren Sie die Ampel sichtbar im Gruppenraum (z.B. beim Morgenkreis mittig auf den Boden legen)
2. Einführung in der Gruppe
- Erklären Sie den Kindern: „Die Gefühls-Ampel zeigt, wie es uns gerade geht. Es gibt kein richtig oder falsch. Jedes Gefühl ist wichtig und erlaubt.“
- Stellen Sie jede Farbe / jedes Bild kurz vor: Grün: Ich fühle mich wohl / alles ist ok. / Gelb: Ich bin unruhig / unsicher / brauche vielleicht eine Pause. / Rot: Ich bin sehr wütend, traurig oder aufgebracht.
3. Vertiefte Anwendung im Alltag
a) Kind wählt Farbe oder Bild im Morgenkreis (s.o.)
b) Gesprächsangebot (ggf. dem Morgenkreis)„Möchtest du mir erzählen, warum du dich so fühlst
c) Regulationsstrategien besprechen (eignet sich für den Morgenkreis, um gemeinsam allgemeine Regulationsstrategien zu formulieren), zum Beispiel: Ruheort aufsuchen, tief atmen, Kuscheltier holen
Autorin: Franziska Köhler-Dauner
Emotion Talk
Kinder lernen im Gespräch, Emotionen zu identifizieren und zu benennen. Um das zu ermöglichen werden Gefühle direkt angesprochen und benannt, die damit verbundene Gestik und Mimik mit Übertreibung dargestellt. Die Übung kann in Alltagssituationen eingebaut werden.
Fördert: Emotionsregulation
Aus dem Programm: Papilio
(übernommen Aus der Papilio-Broschüre “Gefühle: bitte übertreiben” für Eltern)
Alter: ab ca. 2-3 Jahren
Dauer: 30-60 Sekunden, beliebig oft im Alltag einsetzbar
Material: kein Material erforderlich
Ziel: Der Emotion Talk dient der gezielten Förderung der emotionalen Kompetenz von Kindern. Durch das bewusste Benennen und Spiegeln von Gefühlen unterstützt die pädagogische Fachkraft das Kind dabei, eigene Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen und sprachlich auszudrücken.
Umsetzungsschritte:
- Emotionen erkennen und benennen: Beobachten Sie aufmerksam die Körpersprache, Mimik und Handlungen des Kindes. Sprechen Sie die vermutete Emotion direkt an („Du freust dich gerade sehr, oder?“). Nutzen Sie dabei verschiedene Begriffe, um den emotionalen Wortschatz des Kindes zu erweitern.
- Emotionen spiegeln: Verdeutlichen Sie die Emotion durch passenden Gesichtsausdruck, Tonfall und Körperhaltung. Eine leicht übertriebene Darstellung hilft Kindern, Emotionen besser zuzuordnen und zu verstehen.
- Einfache Sprache verwenden: Verwenden Sie kurze, klare Sätze und sprechen Sie langsam. Dadurch kann das Kind die sprachlichen und emotionalen Botschaften besser aufnehmen.
- Emotion Talk im Alltag integrieren: Nutzen Sie alltägliche Situationen, um Emotionen zu thematisieren – beim Spielen, in Konfliktsituationen, beim Lesen oder im Umgang mit anderen Kindern. Weisen Sie auch auf Gefühle anderer hin („Schau mal, Anna ärgert sich gerade – sie hat die Stirn gerunzelt.“).
- Eigene Emotionen authentisch zeigen: Kinder lernen durch Nachahmung. Seien Sie deshalb ehrlich im Umgang mit Ihren eigenen Gefühlen. Wenn Sie traurig, überrascht oder verärgert sind, benennen Sie dies altersgerecht. So erfährt das Kind, dass alle Gefühle erlaubt und verständlich sind.
Beispiel Freude:
„Du baust einen hohen Turm mit den Bausteinen. Da freust du dich! Deine Augen strahlen und du lachst. Jetzt wirfst du den Turm um – das macht Spaß, du hüpfst sogar vor Freude!“
Beispiel Angst:
„Das war ein lautes Geräusch, das hat dich erschreckt. Du bist richtig zusammengezuckt. Du hast dich gefürchtet, jetzt kommen dir sogar die Tränen. Schau, es ist schon vorbei – alles wieder gut.“
Hinweis:
Der Emotion Talk erfordert Achtsamkeit und Authentizität. Wenn Erwachsene Gefühle offen ansprechen und ehrlich zeigen, lernen Kinder, ihre eigenen Emotionen zu akzeptieren und angemessen auszudrücken.
Atemtechniken
Atemübungen zur Entspannung und zur Stressregulation
Fördert: Stressregulation
Aus dem Programm: Fun Friends
Alter: ab ca. 3-4 Jahren
Dauer: 10-15 Minuten (Erlernen der Techniken), 2-10 Minuten (Anwendung)
Material: Strohhalme (nur für die erste Technik)
ATEM
Milchshake-Atmung
Dies ist eines der Hilfsmittel, die im Fun Friends-Programm zum Einsatz kommen. Geben Sie dem Kind einen Strohhalm. Lassen Sie die Kinder üben, durch die Nase einzuatmen und durch den Strohhalm auszuatmen – mit großen, langen, langsamen Atemzügen. Erklären Sie ihnen, dass dies ihnen hilft, ihre Sorgen auszuatmen, damit sie sich entspannter fühlen können. Nach einigen Übungen stecken Sie den Strohhalm in ein Glas Wasser, um die Milchshake-Atmung zu üben. Betonen Sie, wie wichtig es ist, dies sehr langsam und sanft zu tun. Je langsamer wir atmen, desto besser. Langsames Atmen beruhigt uns!
Bauchatmung
Suchen Sie sich einen warmen, ruhigen Ort und legen Sie sich hin. Ermutigen Sie das Kind, die Augen zu schließen. Bitten Sie es, eine Hand auf den Bauch zu legen und durch die Nase ein- und durch den Mund auszuatmen. Fragen Sie es beim Einatmen, ob es spürt, wie sich sein Bauch nach oben bewegt, und beim Ausatmen, wie sich sein Bauch nach unten bewegt. Sagen Sie ihm, dass es ihm dabei hilft, seine Sorgen auszuatmen, sodass es sich entspannter fühlen kann. Betonen Sie erneut, wie wichtig es ist, dies sehr langsam und sanft zu tun. Langsames Atmen beruhigt uns! Das kann täglich oder wöchentlich für 10 Minuten wiederholt werden
Je öfter eine dieser Strategien angewendet wird, desto natürlicher wird es für Kinder, sie in einer schwierigen Situation einzusetzen. Mit den Worten „Ich sehe und höre, dass du wütend bist. Können wir versuchen, ein paar Mal Milkshake-Atmung zu machen?“ erkennen Sie ihre Gefühle an (die sie haben dürfen) und bieten ihnen gleichzeitig eine positive Möglichkeit, diese loszulassen.
Yoga-Übungen
Die Einheit ist eine kurze, fantasiegestützte Bewegungs- und Atemreise durch einen „Zauberwald“, in der Kinder gemeinsam mit der Erzieherin einfache Yoga-ähnliche Übungen (Katze, Kuh, Hund, Baum, Kobra) ausführen und dabei Atmung, Bewegung und Wahrnehmung bewusst miteinander verbinden. Sie dient der Bündelung der Aufmerksamkeit, der Regulation von Stress und Unruhe sowie der Förderung von Körperwahrnehmung, Gleichgewicht und Beweglichkeit. Die durchführende Person sollte Yoga-Kenntnisse haben.
Fördert: Stressregulation, Emotionsregulation, Aufmerksamkeit
Dauer: 15-20 Minuten
Material: Matten, rutschfeste Socken/Turnschlappen
Ziel der Einheit:
- Aufmerksamkeit bündeln
- Stress & innere Unruhe regulieren
- Körperwahrnehmung stärken
- Beweglichkeit fördern
Rahmen:
- Platz im Gruppenraum
- Barfuß oder mit Turnschläppchen / rutschfesten Socken
- Kinder im Kreis oder auf Matten
- Erzieherin/Erzieher macht alle Übungen mit
- Die Übung sollte von einer Person durchgeführt werden sollten, die bereits Yoga-Kenntnisse hat
1. Ankommen & Geschichte beginnen (ca. 2 Minuten)
Erzieherin spricht ruhig und langsam: „Wir machen heute eine Reise in einen Zauberwald. Dort leben Tiere und Pflanzen, die uns zeigen, wie man stark und ruhig zugleich sein kann.“
Körper vorbereiten: Alle stehen aufrecht, Füße fest auf dem Boden, „Spürt eure Füße. Sie tragen euch, Wir sind jetzt hier – und bereit für unsere Reise.“
Fördert: Aufmerksamkeit, Erdung
2. Katze & Kuh – wach werden im Wald (ca. 3 Minuten)
Position: Vierfüßlerstand
Bewegung + Atem
Erzieherin erklärt und zeigt: „Wir sind jetzt eine Katze, die sich streckt.“
- Katze: Rücken rund, Kopf hängtkräftig ausatmen (z. B. durch den Mund, wie pusten)
„Und jetzt werden wir eine Kuh.“
- Kuh: Bauch sinkt, Blick nach vorneEinatmen passiert von selbst (nicht erzwingen)
5–6 langsame Wiederholungen
Geschichte:
„Die Katze macht sich klein, die Kuh macht sich groß.“
Fördert: Wirbelsäulenbeweglichkeit, Atem-Körper-Verbindung, Stressabbau
3. Herabschauender Hund – durch den Wald laufen (ca. 3 Minuten)
Position: Hände und Füße am Boden, Po nach oben
Erzieherin spricht: „Jetzt werden wir Hunde, die durch den Wald laufen.“
Atemtechnik: schnelle Atemzüge
- Kurze, schnelle Atemzüge durch die Nase
- ca. 10–15 Sekunden
- dann Pause
„Der Hund schnuppert ganz schnell … und dann ruht er sich aus.“
2 Durchgänge
Bewegung: Abwechselnd Fersen Richtung Boden drücken. Knie dürfen gebeugt sein
Fördert: Kraft, Koordination, Aktivierung & Regulation
4. Baum – still stehen im Zauberwald (ca. 3 Minuten)
Position: Stand auf einem Bein (Fuß an Wade oder Boden)
Erzieherin erklärt: „Wir sind jetzt Bäume. Unsere Füße sind die Wurzeln.“
Atemtechnik: langsames, ruhiges Atmen
- Einatmen durch die Nase
- Ausatmen durch den Mund
- ganz ruhig
„Der Wind weht – aber der Baum bleibt stehen.“
Optional:
- Arme als Äste bewegen
- Seite wechseln
Fördert: Gleichgewicht, Selbstwahrnehmung, Konzentration
5. Kobra – ruhig und mutig werden (ca. 2–3 Minuten)
Position: Bauchlage, Hände unter den Schultern
Erzieherin spricht: „Eine Schlange liegt ganz ruhig in der Sonne.“
- Oberkörper sanft anheben
- Schultern locker
- Blick nach vorne
Atemtechnik: Nasenwechsel (kindgerecht)
- Einatmen durch die Nase
- Ausatmen durch den Mund(kein echtes Nasenloch-Verschließen nötig)
„Die Schlange atmet ruhig und fühlt sich sicher.“
3–4 ruhige Atemzüge
Fördert: Rückenstärkung, Selbstvertrauen, Ruhe
6. Abschluss – zur Ruhe kommen (ca. 2 Minuten)
Alle legen sich auf den Rücken oder setzen sich.
Erzieherin spricht leise: „Der Zauberwald wird still. Wir hören auf unseren Atem.“
Kurze Stille (20–30 Sekunden)
„Spürt euren Körper. Ihr habt euch bewegt – und seid jetzt ruhig.“
Abschlussritual: Hände aufs Herz
Fördert: Integration, Entspannung
Wichtige Hinweise für den Alltag
- Nicht korrigieren, nur vormachen
- Kinder dürfen jederzeit pausieren
- Mit ruhiger Stimme sprechen
- Lieber kürzer & regelmäßig als perfekt
Wirksamkeit:
In einer randomisierten kontrollierten Studie wurden folgende positive Effekte gefunden: 12 Wochen Yoga im Kindergarten verbessern ausgewählte Parameter der visuellen Aufmerksamkeit und der visuell-motorischen Präzision und verringern das Verhalten von Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität bei 5-jährigen Kindern.
- Jarraya S, Wagner M, Jarraya M, Engel FA. 12 Weeks of Kindergarten-Based Yoga Practice Increases Visual Attention, Visual-Motor Precision and Decreases Behavior of Inattention and Hyperactivity in 5-Year-Old Children. Front Psychol. 2019 Apr 10;10:796. doi: 10.3389/fpsyg.2019.00796. PMID: 31024412; PMCID: PMC6467975.
Autorin: Sabine Georg
Achtsame Körper
Die Kinder lernen, ihre Aufmerksamkeit bewusst zu lenken - nach außen auf einen Glockenton und nach innen auf ihren eigenen Atem. Mit Hilfe von Windrädern spüren sie, wie sich Bauch und Brust beim Ein- und Ausatmen bewegen. Sie beobachten, wie es sich anfühlt, auf eine Überraschung zu warten und üben, still zu werden und genau hinzuhören. Die Übung verbindet Wahrnehmung, Bewegung und ruhiges Sitzen im Kreis. So erleben die Kinder, dass sie ihre Aufmerksamkeit gezielt einsetzen können.
Fördert: Aufmerksamkeit, Emotionsregulation
Aus dem Programm: Kindness Curriculum
Konzepte
- Wir können unsere Aufmerksamkeit nach innen
- Wir können unsere Aufmerksamkeit nach außen
Schlüsselwörter (A = Aufmerksamkeit-Karte)
Atem, Aufmerksamkeit, innen, außen
Ziele
Die Kinder sollen lernen:
- ihre Aufmerksamkeit nach außen zu richten (Klang einer Glocke)
- ihre Aufmerksamkeit nach innen zu richten (Atemempfindungen)
Materialien
- Visual Schedule Board (VSB) mit Bildern
- Glocke / Klangschale
- Behälter zum Verstecken der Glocke
- Windräder
- A-Karte „Attention / Aufmerksamkeit“
Visueller Ablaufplan
- Stuhlkreis
- Überraschung
- Überraschung
Aktivitätenübersicht
- Einführung: Aufmerksamkeit & Atmen
- Überraschung: Windrad – den Atem innen spüren
- Übergang: Windräder in die Fächer legen
- Überraschung: Glocke – Aufmerksamkeit außen
Durchführung der Einheit
Begrüßung / Einführung
„Hallo, heute lernen wir ein neues Wort: Achtsamkeit.
Achtsamkeit bedeutet, auf eine besondere Weise aufmerksam zu sein.
Was bedeutet ‚aufmerksam sein‘?“ (Antworten abwarten.)
„Wir können lernen, nach innen und nach außen aufmerksam zu sein.
Wenn wir aufmerksam sind, kann uns das helfen, ruhiger zu werden, wenn wir traurig, wütend oder frustriert sind.
Es kann uns auch helfen, uns glücklich zu fühlen.“
(Aufmerksamkeit-Karte hochhalten und an die Wand hängen.)
„Woran könnt ihr erkennen, dass diese Person aufmerksam ist?“
(Augen nach vorne, Körper ruhig, kein Sprechen.)
„Wenn wir aufmerksam sind, wird unser Körper oft von selbst ganz ruhig.
Lasst uns unser neues Wort dreimal sagen, damit wir es uns merken:
Achtsamkeit, Achtsamkeit, Achtsamkeit“
Überraschung 1: Windrad – Atem innen spüren
„Jetzt lasst uns auf etwas achten, das ich heute mitgebracht habe.
Seid ihr bereit?
Wie fühlt ihr euch innen, wenn ihr auf eine Überraschung wartet?“ (Antworten zulassen.)
„Was ist das?“ (Windrad)
„Wie funktioniert es?“ (Pusten)
„Ich fülle meinen Bauch mit Luft und puste sie wieder hinaus.“
(Windrad anpusten.)
„Ich spüre, wie sich mein Bauch und meine Brust innen ausdehnen, wenn ich einatme, und wie sie sich zusammenziehen, wenn ich ausatme.“
Aktive Übung
„Jetzt seid ihr dran.
Legt eine Hand auf euren Bauch. Atmet tief ein, sodass euer Bauch größer wird.
Stellt euch vor, der Handrücken der anderen Hand ist ein Windrad, und spürt, wie euer Bauch wieder kleiner wird.“
(Vormachen)
„Wer möchte erzählen, wo er seinen Atem gespürt hat?“
(Mehrere Kinder berichten lassen.)
„Jetzt dürft ihr die Windräder pusten.“
(Austeilen.)
„Spürt, wie sich euer Bauch mit Luft füllt … und dann pustet das Windrad.“
(Mehrmals üben.)
„War euer Atem eher sanft oder kräftig? Was habt ihr bemerkt?“
Übergang
„Diese Windräder dürft ihr mit nach Hause nehmen.
Bitte legt sie in eure Fächer. Dann kommt wieder auf den Teppich, denn ich habe noch eine Überraschung für euch.“
(Kinder legen Windräder weg.)
Überraschung 2: Glocke / Klangschale – Aufmerksamkeit außen
„Ich habe noch eine Überraschung. Was glaubt ihr, was es ist?“
(Raten lassen.)
„Wie fühlt es sich an, etwas nicht zu wissen?“
„Es ist eine Glocke/Klangschale. Sie hilft uns, unsere Aufmerksamkeit nach außen zu richten.
Hebt eine Hand. Ich lasse die Glocke/Klangschale erklingen.
Wenn ihr den Ton nicht mehr hört, legt eure Hand auf euren Bauch.“
(2-mal durchführen.)
„Ihr wart aufmerksam außen beim Klang der Glocke und aufmerksam innen bei eurem Atem.“
Abschluss
„Heute haben wir gelernt:
- aufmerksam zu sein,
- unseren Atem zu spüren,
- und die Glocke/Klangschale einzuladen.
Ich freue mich, auf das nächste Mal!“
Autorin: Sabine Georg
Ressourcen und Erfolge sichtbar machen
Was kann ich alles? Was habe ich geschafft? Gemeinsam mit den Kindern kleine Erfolgsinseln basteln (und mit zum Beispiel Bildern oder Zeichnungen der Erfolgserlebnisse schmücken)
Fördert: Motivationale Kompetenzen
Dauer: 5-15 Minuten je Einsatz
Material: Bastelmaterialien
- Sprechen Sie mit den Kindern über Fragen wie: „Was kann ich denn schon richtig gut?“ oder „Was habe ich heute geschafft?“.
- Wählen Sie gemeinsam kleine Erfolgserlebnisse aus dem Alltag aus (zum Beispiel etwas alleine geschafft, geholfen, mutig gewesen).
- Basteln Sie mit jedem Kind eine persönliche Erfolgsinsel.
- Schmücken Sie die Insel mit Bildern, Zeichnungen oder Symbolen der Erfolge.
- Ermutigen Sie die Kinder, neue Erfolge hinzuzufügen.
- Betonen Sie individuelle Stärken und Fortschritte.
Wichtig bei dieser Übung: Sehen Sie diese Förderstrategie als „Langzeitprojekt“, ähnlich wie ein Lernportfolio. Ermutigen Sie die Kinder, eigene Erfolge selbstständig festzuhalten und stellen Sie hierfür Material bereit, die das Kind in Eigenregie nutzen darf.
Autorin: Franziska Köhler-Dauner
Singen im Kanon
Singen eines Kanons in der Gruppe. Die pädagogischen Fachkräfte achten darauf, dass die Kinder jeweils mit ihrer Gruppe singen und unterstützt alle, die Schwierigkeiten mit der Aufgabe haben
Fördert: Aufmerksamkeit, Soziale Selbstregulationskompetenzen
Aus dem Programm: PRSIST
Alter: ab ca. 3-4 Jahren
Dauer: 30-90 Minuten (Lied erlernen), 20-30 Minuten (Kanon singen)
Material: Noten/Textblatt für Fachkräfte, evtl. Gerät oder Instrument zum Musik vorspielen
Durchführung: Setzen Sie die Kinder in einen Kreis und teilen Sie sie in zwei Gruppen auf (indem Sie eine imaginäre Linie ziehen, die den Kreis halbiert). Positionieren Sie zwei Erzieher in der Mitte des Kreises, einen für jede Gruppe. Alle Kinder singen dasselbe Lied (z.B. Bruder Jakob), aber jede Gruppe beginnt zu einem anderen Zeitpunkt. Lassen Sie eine Gruppe mit dem Singen beginnen. Die zweite Gruppe beginnt das Lied von vorne, wenn die erste Gruppe mit der zweiten Zeile des Liedes beginnt. Die Kinder müssen mit ihrer Gruppe mitsingen (unter der Leitung ihres benannten Erziehers). Der Erzieher sollte mitsingen, den Kindern Zeichen geben und sie unterstützen, wenn sie aus dem Takt kommen. Am Ende des Liedes wird die Reihenfolge der Gruppen getauscht.
Zu einfach? So steigern Sie den Schwierigkeitsgrad: Teilen Sie die Kinder in mehr als zwei Gruppen ein, die jeweils zu unterschiedlichen Zeitpunkten beginnen. Nehmen Sie die Unterstützung durch die Erzieher nach und nach zurück und helfen Sie den Kindern nur noch, wenn sie ins Stocken geraten. Noch schwieriger? Teilen Sie die Kinder durch Nummerierung (1, 2, 3, 4) in Gruppen ein, sodass die Kinder von anderen Kindern umgeben sind, die einen anderen Teil des Liedes singen.
Ideale Formation(en): Für 3-Jährige eignet sich am besten eine Aufteilung in vier Kinderpaare. Für 4- bis 5-Jährige können größere Gruppen (z. B. 10 Kinder, aufgeteilt in Gruppen zu je 5) ausprobiert werden.
Was Sie benötigen: Stellen Sie zunächst sicher, dass die Kinder das Lied kennen. Ist dies nicht der Fall, nehmen Sie sich in den nächsten Tagen Zeit, um den Kindern das Lied beizubringen. Das Lied sollte den Kindern vor dieser Aktivität sehr vertraut sein, damit sie nicht darüber nachdenken müssen, wie der Text weitergeht, und sich darauf konzentrieren können, den Überblick über den Stand des Liedes nicht zu verlieren. Diese Aktivität funktioniert am besten, wenn zwei Erzieher sie begleiten, damit die Kinder sich an ihren „Gruppenleiter” wenden können, um sich wieder zu konzentrieren und weiterzumachen, wenn sie aus dem Takt geraten.
Ente oder Hase
Den Kindern wird ein Kippbild gezeigt und erklärt, dass es unterschiedliche Perspektiven auf den gleichen Gegenstand gibt. Die Kinder diskutieren über Sichtweisen, Perspektiven und unterschiedliche Meinungen.
Fördert: soziale Selbstregulationskompetenzen, kognitive Flexibilität, Metakognition
Alter: ab ca. 5 Jahren
Dauer: 30-40 Minuten
Material: Buch von Krouse Rosenthal
“Ente oder Hase? Was siehst du hier?” (Original “Duck! Rabbit!”) von Amy Krouse Rosenthal ist ein Buch für kleine Kinder, das von zwei unsichtbaren Stimmen erzählt wird, die jeweils einen gegensätzlichen Standpunkt vertreten. Die richtige Antwort wird nie gegeben, was eine großartige Gelegenheit bietet, darüber zu sprechen, wie zwei Menschen unterschiedlich über etwas denken können und beide Recht haben können!
Durchführung
- Versammeln Sie alle Kinder in einem Raum für die Vorlesestunde.
- Stellen Sie das Buch ”Ente oder Hase? Was siehst du hier?” der Gruppe von Kindern vor. Erklären Sie den Kindern, dass das Buch von zwei Personen handelt, die verschiedene Tiere sehen, obwohl sie dasselbe betrachten.
- Lesen Sie die Geschichte vor
- Aktiviere das Vorwissen. Frag die Kinder:
- Welche Geräusche machen Enten?
- Welche Geräusche machen Hasen?
- Wie bewegen sich Enten und Hasen?
- Was wissen sie noch über Enten und Hasen?
- Frag die Kinder:
- Welches Tier siehst du auf dem Cover des Buches?
- Warum sagst du, dass es eine Ente oder ein Hasen ist?
- Erstelle mit den Kindern eine Grafik, in der sie angeben, welches Tier sie sehen - hängen Sie diese an einer Stelle auf, an der die Kinder sie sehen können.
- Frag die Kinder während der Geschichte, ob sich ihre Wahrnehmung des Tieres geändert hat - warum?
- Erstelle am Ende der Geschichte erneut eine Grafik und vergleiche diese mit der ursprünglichen. Haben sich die Meinungen geändert?
- Fragen, die zu Gesprächen über unterschiedliche Perspektiven und Standpunkte anregen, sind beispielsweise:
- Wissen wir mit Sicherheit, um welche Tierart es sich handelt?
- Wer hat Recht? Gibt es eine richtige Antwort?
- Gibt es Situationen, in denen es keine „richtige” oder „falsche” Antwort gibt?
- Was machst du, wenn du und deine Freunde euch über etwas nicht einig seid?
- Wann ist es in Ordnung, unterschiedlicher Meinung zu sein?
- Müssen wir immer zu denselben Schlussfolgerungen kommen?
- Können wir trotzdem Freunde bleiben, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind?
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