Schlechte Hygiene, Vandalismus und mangelnde Privatsphäre machen Schultoiletten für viele Schülerinnen und Schüler zu einem ungeliebten Ort. Die Folge: Toilettengänge werden oft vermieden, was sich negativ auf Konzentration, Wohlbefinden und damit auf das Lernen auswirkt. Schultoiletten sind daher kein Nebenschauplatz, sondern wichtige Räume für ein positives Schulklima und die Gesundheit. Besonders wirkungsvoll sind partizipative Ansätze, bei denen Lernende aktiv in Planung und Gestaltung eingebunden werden.
Eine gute Schularchitektur hört nicht an der Klassenzimmertür auf. Das belegt eine Studie der German Toilet Organization (2023) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Hygiene und Public Health der Universität Bonn. Insgesamt 949 Schülerinnen und Schüler sowie das Schulpersonal an 17 weiterführenden Schulen in Berlin wurden befragt, zudem wurden die Toilettenanlagen systematisch begutachtet. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler benotet die Toiletten mit der Schulnote 4,4. Viele gehen nur selten auf die Toilette, und ein Viertel der Befragten gibt sogar an, weniger zu trinken, um nicht zur Toilette gehen zu müssen. Hauptgründe sind fehlende Privatsphäre, Gestank, unzureichende Hygiene und kaputte Ausstattung. Sichtbare Mängel und Vandalismus an Schulen gehören der Studie zufolge zur Tagesordnung. Kaputte Kabinen, fehlende Türschlösser oder entwendete Abfalleimer prägen das Bild vieler Toilettenanlagen.
Partizipation & Hygiene verbessern Schultoiletten
Auch internationale Studien bestätigen die Problematik. So bewerten beispielsweise Lernende an englischen Schulen ihre Toiletten als unhygienisch, unsicher und unangenehm, was die Nutzung hemmt und das Aufschieben von Toilettengängen fördert (Green et al., 2025). Besonders problematisch sind menstruationsspezifische Barrieren: Einige Schülerinnen berichteten, während ihrer Periode den Zugang zur Toilette verwehrt bekommen zu haben – ein Zeichen, dass geschlechtersensible Bedürfnisse noch immer zu wenig beachtet werden. Zudem werden Schultoiletten in der Studie als emotional aufgeladene Orte beschrieben, an denen Mobbing stattfindet, die jedoch zugleich auch Schutz vor Schikanen durch Gleichaltrige bieten. Diese ambivalente Rolle zeigt, dass Lernende die Toiletten meiden, um Mobbing oder Überwachung zu entgehen, sie aber auch aufsuchen, um sich in einen privateren Raum zurückziehen zu können.
Eine Studie aus Frankreich belegt zudem den Einfluss mangelhafter Schultoiletten auf die Gesundheit von Jugendlichen: Viele Schülerinnen und Schüler leiden an Unterleibsschmerzen und unter Harnwegserkrankungen, die mit der Vermeidung der Toilettennutzung zusammenhängen. Fast ein Drittel gab an, dass diese Beschwerden ihre Konzentration beeinträchtigen (Hoarau et al., 2014).
Vor diesem Hintergrund fordert die Studie „Toiletten machen Schule“ eine neue Wertschätzung für Sanitärräume in Schulen. Toiletten dürfen nicht länger als Nebensache betrachtet werden, sondern müssen als integraler Bestandteil eines gesunden und förderlichen Lernumfelds gelten. Die Studie belegt, dass eine häufigere Reinigung – mindestens zweimal täglich – die Sauberkeit verbessert, Verschmutzung und Vandalismus reduziert und die Nutzungshäufigkeit erhöht. Schulen mit nur einer täglichen Reinigung weisen deutlich mehr Schmutz und höhere Vandalismuswerte auf als Schulen mit doppelter Reinigung. Auch die zentralen Ergebnisse des ersten Deutschen Schultoilettengipfels (2024) unterstützen diese Forderung: Eine bessere Infrastruktur, Partizipation aller Nutzenden, klare Organisationsstrukturen, mehr Hygienebewusstsein und die pädagogische Aufwertung von Toiletten sind entscheidende Hebel für nachhaltige Verbesserungen.
Eine australische Studie zeigt, wie wichtig die Partizipation der Schülerinnen und Schüler bei der Gestaltung von Schultoiletten ist. Zunächst ermittelten die Schülerinnen und Schüler in einer selbstverwalteten Befragung ihre Unzufriedenheit mit den Toiletten und deren häufige Meidung. Daraufhin organisierten sie aktiv eine Umgestaltung, brachten eigene Ideen ein und führten die Veränderungen mit durch. Diese partizipative Vorgehensweise verbesserte sowohl das Nutzungsverhalten als auch die Wahrnehmung der Toiletten deutlich, während der Vandalismus zurückging (Senior, 2014).
Praxisempfehlungen für Schulen
Problem anerkennen: Schulleitungen und Lehrkräfte sollten die Bedeutung funktionierender und hygienischer Schultoiletten für das Wohlbefinden und Lernen von Kindern und Jugendlichen ernst nehmen.
Hygiene sichern: mindestens zweimal täglich reinigen (besonders in Ganztagsschulen), ausreichende Versorgung mit Hygiene- und Menstruationsprodukten gewährleisten
Partizipation fördern: Schülerinnen und Schüler in Gestaltung, Betrieb und Problemlösung einbeziehen; Mängel schnell und transparent beheben; Beteiligung senkt Vandalismus und steigert Wertschätzung
Pädagogische Einbindung: Toiletten enttabuisieren, respektvolle Nutzung fördern und in den Schulalltag integrieren, nicht nur kontrollieren und sanktionieren
Infrastruktur stärken: bei Sanierungen Barrierefreiheit, kulturelle Vielfalt und Genderaspekte mit einplanen
Planerischer Fokus: Privatheit und soziale Sicherheit ausbalancieren, zum Beispiel durch Einzeltoiletten wie in Skandinavien (vgl. Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft), inklusive Ausstattung und attraktives Design fürs Wohlfühlambiente selbstverständlich einplanen
German Toilet Organization & Institut für Hygiene und Public Health. (2023). Toiletten machen Schule: Studie zu Sanitäranlagen an Berliner Schulen 2022/2023.
German Toilet Organization, Bundesschülerkonferenz & Bundeselternrat. (2024). 1. Deutscher Schultoilettengipfel: Wie können wir die Situation der Schultoiletten in Deutschland gemeinsam verbessern? Ergebnispapier.
Green, M.J., Lyon, C.H., Little, A. & Telford, J. (2025). Teachers', parents', and pupils' perceptions and described experiences of toilet provisions and practices within. English schools. British Educational Research Journal. https://doi.org/10.1002/berj.4198
Hoarau B, Vercherin P, Bois C. (2014). School Bathrooms: Children's Perceptions and Prevalence of Gastrointestinal and Urinary Disorders, a Survey in 3 Secondary Schools near Saint-Etienne. Sante Publique, 26(4): 421-31.
Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft. (2025). Sanitärräume. In Schulbau Open Source – Planungsthemen von A bis Z. Schulbau Open Source. Abgerufen am 25. August 2025.
Senior E (2014). We love our School Toilets: Involving primary School Students in improving their School Toilets. Global Health Promotion, 21(1): 23-8. . https://doi.org/10.1177/1757975913508420
Zemer, V.S., Cohen, H.A., Richenberg, Y. Gerstein, M., Atias, I., Gur, S. Larks, Y., Levinsky, Y., Dvir, O., Brown, I., Cohen, M. & Meir, D. B. (2023). Personal hygiene, environmental conditions, and toilet use of children in primary schools: A cohort study. Journal of Pediatric Urology, 19 (6), 721 – 727.
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