Saubere Toiletten wirken positiv auf Lernen und Schulklima

Wenn Toiletten in der Schule sauber und funktional sind, verbessern sich Wohlbefinden und Lernfähigkeit der Schülerinnen und Schüler

Ann-Kathrin Bielang

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Schüler:innen waschen sich an Schultoiletten die Hände. Hygiene ist Teil eines guten Lernumfelds. © pexels yan krukau

Schlechte Hygiene, Vandalismus und mangelnde Privatsphäre machen Schultoiletten für viele Schülerinnen und Schüler zu einem ungeliebten Ort. Die Folge: Toilettengänge werden oft vermieden, was sich negativ auf Konzentration, Wohlbefinden und damit auf das Lernen auswirkt. Schultoiletten sind daher kein Nebenschauplatz, sondern wichtige Räume für ein positives Schulklima und die Gesundheit. Besonders wirkungsvoll sind partizipative Ansätze, bei denen Lernende aktiv in Planung und Gestaltung eingebunden werden.

 


 

Eine gute Schularchitektur hört nicht an der Klassenzimmertür auf. Das belegt eine Studie der German Toilet Organization (2023) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Hygiene und Public Health der Universität Bonn. Insgesamt 949 Schülerinnen und Schüler sowie das  Schulpersonal an 17 weiterführenden Schulen in Berlin wurden befragt, zudem wurden die Toilettenanlagen systematisch begutachtet. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler benotet die Toiletten mit der Schulnote 4,4. Viele gehen nur selten auf die Toilette, und ein Viertel der Befragten gibt sogar an, weniger zu trinken, um nicht zur Toilette gehen zu müssen. Hauptgründe sind fehlende Privatsphäre, Gestank, unzureichende Hygiene und kaputte Ausstattung. Sichtbare Mängel und Vandalismus an Schulen gehören der Studie zufolge zur Tagesordnung. Kaputte Kabinen, fehlende Türschlösser oder entwendete Abfalleimer prägen das Bild vieler Toilettenanlagen.

Partizipation & Hygiene verbessern Schultoiletten

Auch internationale Studien bestätigen die Problematik. So bewerten beispielsweise Lernende an englischen Schulen ihre Toiletten als unhygienisch, unsicher und unangenehm, was die Nutzung hemmt und das Aufschieben von Toilettengängen fördert (Green et al., 2025). Besonders problematisch sind menstruationsspezifische Barrieren: Einige Schülerinnen berichteten, während ihrer Periode den Zugang zur Toilette verwehrt bekommen zu haben – ein Zeichen, dass geschlechtersensible Bedürfnisse noch immer zu wenig beachtet werden. Zudem werden Schultoiletten in der Studie als emotional aufgeladene Orte beschrieben, an denen Mobbing stattfindet, die jedoch zugleich auch Schutz vor Schikanen durch Gleichaltrige bieten. Diese ambivalente Rolle zeigt, dass Lernende die Toiletten meiden, um Mobbing oder Überwachung zu entgehen, sie aber auch aufsuchen, um sich in einen privateren Raum zurückziehen zu können. 

Eine Studie aus Frankreich belegt zudem den Einfluss mangelhafter Schultoiletten auf die Gesundheit von Jugendlichen: Viele Schülerinnen und Schüler leiden an Unterleibsschmerzen und unter Harnwegserkrankungen, die mit der Vermeidung der Toilettennutzung zusammenhängen. Fast ein Drittel gab an, dass diese Beschwerden ihre Konzentration beeinträchtigen (Hoarau et al., 2014). 

Vor diesem Hintergrund fordert die Studie „Toiletten machen Schule“ eine neue Wertschätzung für Sanitärräume in Schulen. Toiletten dürfen nicht länger als Nebensache betrachtet werden, sondern müssen als integraler Bestandteil eines gesunden und förderlichen Lernumfelds gelten. Die Studie belegt, dass eine häufigere Reinigung – mindestens zweimal täglich – die Sauberkeit verbessert, Verschmutzung und Vandalismus reduziert und die Nutzungshäufigkeit erhöht. Schulen mit nur einer täglichen Reinigung weisen deutlich mehr Schmutz und höhere Vandalismuswerte auf als Schulen mit doppelter Reinigung. Auch die zentralen Ergebnisse des ersten Deutschen Schultoilettengipfels (2024) unterstützen diese Forderung: Eine bessere Infrastruktur, Partizipation aller Nutzenden, klare Organisationsstrukturen, mehr Hygienebewusstsein und die pädagogische Aufwertung von Toiletten sind entscheidende Hebel für nachhaltige Verbesserungen. 

Eine australische Studie zeigt, wie wichtig die Partizipation der Schülerinnen und Schüler bei der Gestaltung von Schultoiletten ist. Zunächst ermittelten die Schülerinnen und Schüler in einer selbstverwalteten Befragung ihre Unzufriedenheit mit den Toiletten und deren häufige Meidung. Daraufhin organisierten sie aktiv eine Umgestaltung, brachten eigene Ideen ein und führten die Veränderungen mit durch. Diese partizipative Vorgehensweise verbesserte sowohl das Nutzungsverhalten als auch die Wahrnehmung der Toiletten deutlich, während der Vandalismus zurückging (Senior, 2014).

Praxisempfehlungen für Schulen

  • Problem anerkennen: Schulleitungen und Lehrkräfte sollten die Bedeutung funktionierender und hygienischer Schultoiletten für das Wohlbefinden und Lernen von Kindern und Jugendlichen ernst nehmen. 

  • Hygiene sichern: mindestens zweimal täglich reinigen (besonders in Ganztagsschulen), ausreichende Versorgung mit Hygiene- und Menstruationsprodukten gewährleisten 

  • Partizipation fördern: Schülerinnen und Schüler in Gestaltung, Betrieb und Problemlösung einbeziehen; Mängel schnell und transparent beheben; Beteiligung senkt Vandalismus und steigert Wertschätzung 

  • Pädagogische Einbindung: Toiletten enttabuisieren, respektvolle Nutzung fördern und in den Schulalltag integrieren, nicht nur kontrollieren und sanktionieren  

  • Infrastruktur stärken: bei Sanierungen Barrierefreiheit, kulturelle Vielfalt und Genderaspekte mit einplanen 

  • Planerischer Fokus: Privatheit und soziale Sicherheit ausbalancieren, zum Beispiel durch Einzeltoiletten wie in Skandinavien (vgl. Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft), inklusive Ausstattung und attraktives Design fürs Wohlfühlambiente selbstverständlich einplanen