Wie Licht das Lernen beeinflusst

Zahlreiche Studien zeigen, dass ein durchdachtes Lichtdesign Lernen und Wohlbefinden an Schulen steigern kann

Ann-Kathrin Bielang

Lesezeit: 6 Minuten
Leuchtende Glühbirnen in warmem Licht. Beleuchtung beeinflusst Konzentration und Wohlbefinden. © pexels GOWTHAM AGM

Kinder und Jugendliche verbringen einen Großteil ihres Alltags in geschlossenen Räumen, vor allem in Schulen. Art und Qualität der Beleuchtung in Klassen- und Lernräumen beeinflussen unmittelbar Konzentration, Lernerfolg und Wohlbefinden. Anders als feste architektonische Gegebenheiten wie Gebäudeform oder Lage lässt sich die Beleuchtung gezielt an die Bedürfnisse der Lernenden anpassen und so ihre Leistungsfähigkeit wirksam unterstützen.

 


 

Licht bestimmt mehr als nur, was wir sehen, es beeinflusst auch unsere Stimmung, Konzentration und unseren Schlaf. Der Lichtforscher Peter Boyce unterscheidet drei Wirkungswege (vgl. van Mil, 2020): visuell (Sehen und Leistungsfähigkeit), perzeptiv (Raumwirkung und Motivation) und zirkadian (innere Uhr und Wachheit). In Schulen liegt der Fokus häufig noch immer auf funktionaler Beleuchtung, obwohl zahlreiche internationale Studien zeigen, dass ein durchdachtes Lichtdesign Lernen und Wohlbefinden deutlich steigern kann.

Bessere Leistungen bei Tageslicht 

Zwei groß angelegte Studien belegen, dass Tageslicht ein entscheidender Faktor für den schulischen Erfolg ist. Eine Untersuchung (vgl. Cheryan et al., 2014) in den USA mit über 2.000 Schulklassen in drei Bundesstaaten zeigte: Lernende in Klassenräumen mit mehr natürlichem Lichteinfall erzielten signifikant bessere Mathematik- und Leseleistungen. 

Auch die europaweite Studie von Baloch et al. (2020) mit 2.670 Grundschulkindern in 155 Klassenräumen und zwölf Ländern bestätigt diesen Effekt. Neben Aufmerksamkeitstests absolvierten die Kinder einfache mathematische und logische Aufgaben. Ergebnis: Die Tageslichtverhältnisse im Klassenzimmer könnten mehr als 20 Prozent der Leistungsunterschiede erklären. Besonders wichtig war dabei das Verhältnis von Fensterfläche zu Bodenfläche – größere Fensterflächen gingen mit besseren Ergebnissen einher. Ebenso entscheidend war die Möglichkeit, den Lichteinfall zu regulieren: Direkte Sonneneinstrahlung führte häufig dazu, dass die Lernenden geblendet wurden und schlechtere Testergebnisse zeigten, während diffuses, blendfreies Tageslicht die besten Resultate brachte. 

Weitere Studien belegen die gesundheitlichen Vorteile von Tageslicht, etwa die Synchronisation des Schlaf-Wach-Rhythmus und die Unterstützung der Vitamin-D-Produktion. Eine Untersuchung mit Studierenden der University of Washington (Stothard et al., 2023) zeigt, wie entscheidend Tageslicht für unsere innere Uhr ist. Fehlt tagsüber – insbesondere am Morgen – ausreichend natürliches Licht, verlangsamt sich der zirkadiane Rhythmus, und der Schlafbeginn verschiebt sich nach hinten. Tageslicht am Vormittag hingegen „stellt die Uhr vor“ und sorgt dafür, dass man am Abend früher müde wird. In der Studie verschob jede Stunde Tageslichtexposition die innere Uhr der Teilnehmenden um rund 30 Minuten nach vorne. Die Empfehlung der Forschenden ist daher eindeutig: Jeden Morgen, auch bei bedecktem Himmel, Zeit im Freien verbringen und abends die Bildschirmnutzung und künstliche Beleuchtung reduzieren. So lässt sich das Einschlafen erleichtern, und erholsamer Schlaf steigert nachweislich die Lernleistung. 

Die richtige Beleuchtungsstärke 

Die Lichtverhältnisse in Klassen- und Lernräumen entstehen in der Regel aus einer Mischung von Tageslicht und künstlicher Beleuchtung. Tageslicht ist zwar die natürlichste und oft angenehmste Lichtquelle, lässt sich aber nur begrenzt steuern. Künstliche Beleuchtung dagegen ist jederzeit verfügbar, flexibel in Intensität, Farbe und Richtung und kann gezielt Lernaktivitäten, Stimmung und Verhalten unterstützen. 

Für Klassenräume empfiehlt die DIN EN 12464-1 eine Beleuchtungsstärke von mindestens 500 Lux. Zum Vergleich: Direktes Sonnenlicht erreicht rund 100.000 Lux, während künstliche Lichtquellen in Innenräumen wie LEDs oder Leuchtstoffröhren oft nur zwischen 300 und 2.500 Lux liegen.

Eine Studie an englischen Schulen (Barrett et al., 2025) zeigt, wie wirksam eine gezielte Anpassung sein kann: Wurde die Beleuchtungsstärke am Arbeitsplatz auf etwa 500 Lux und das indirekte Lichtniveau von 100 auf 300 Lux angehoben, verbesserten sich Stimmung und Lernleistung der Kinder messbar. Besonders in Räumen mit wenig Tageslicht im Winter stiegen die Ergebnisse in Mathematik, Lesen und Schreiben und die Schülerinnen und Schüler starteten wacher und aktiver in den Tag. 

Allerdings zeigen Studien auch, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler dieselben Lichtvorlieben haben. Wer helleres Licht bevorzugt, schneidet unter den beschriebenen Bedingungen am besten ab; Kinder mit Vorliebe für gedämpftes Licht erzielten unter sanfter Beleuchtung bessere Ergebnisse. Unter den nicht präferierten Bedingungen verschlechterte sich die Leistung beider Gruppen deutlich (vgl. van Mil, 2020).

Weitere Forschungsergebnisse aus dem Arbeitskontext zeigen, dass Licht nicht nur Lernleistung und Aufmerksamkeit beeinflusst, sondern auch das Sozialverhalten. In gut beleuchteten Räumen steigt die Hilfsbereitschaft, und Personen verhalten sich ehrlicher. Damit wirkt Licht indirekt auch auf das soziale Klima einer Lerngruppe. Umgekehrt kann ungünstige Beleuchtung negative Folgen haben, von einer erhöhten Neigung zu Unehrlichkeit bis hin zu Kopfschmerzen und Augenbeschwerden durch anhaltende visuelle Belastung. Plötzliche Helligkeitswechsel können zudem akuten Stress auslösen. All diese Faktoren beeinträchtigen nachweislich Leistungsfähigkeit und Verhalten (vgl. van Mil, 2020). 

Farbe und Spektrum des Lichts 

Neben der Intensität spielt auch das Lichtspektrum eine Rolle. Eine Übersichtsarbeit (Lekan-Kehinde et al., 2021) zeigt, dass ein natürliches Farbspektrum die Leseleistung steigern kann. Höhere Farbtemperaturen um 6.500 K (siehe Infobox) unterstützen den schnellen Wechsel zwischen Aufgaben und erhöhen die Lesefrequenz. Blau-angereichertes Licht kann kurzfristig Konzentration und Verarbeitungsgeschwindigkeit verbessern, sollte jedoch nicht zu lange oder am späten Abend eingesetzt werden, um den Tag-Nacht-Rhythmus nicht zu stören. Entspannung und Kreativität werden dagegen durch geringere Beleuchtungsstärken und wärmere Farben gefördert (BAuA, TU Berlin, April 2024). 

Auch die Art der Aufgabe beeinflusst, welches Licht optimal ist: So fand eine Studie mit Universitätsstudierenden (Llinares et al. 2021) heraus, dass Aufmerksamkeit und Konzentration von höherer Beleuchtungsstärke profitieren, sich die Gedächtnisleistung jedoch bei geringerer Helligkeit (ca. 200 Lux) verbessert. Höhere Farbtemperaturen bis zu 6.500 Kelvin steigern sowohl bei Aufmerksamkeits- als auch bei Gedächtnisaufgaben die Leistungsfähigkeit. Untersuchungen mit Grundschülerinnen und Grundschülern ergaben zudem, dass kühles, weißes Licht mittlerer Intensität tendenziell die Konzentration fördert, während warmes, weißes Licht mittlerer Intensität eher die Kommunikation und das Sozialverhalten unterstützt (vgl. van Mil, 2020). 

Auch aus der Arbeitsforschung gibt es klare Hinweise: Warmes Licht ab dem Nachmittag kann das Schlafverhalten verbessern und Überstimulation vermeiden. Dynamische Lichtsysteme, die den Tagesverlauf des Lichts nachbilden, gelten als wissenschaftlich fundierte Methode, um den natürlichen Biorhythmus zu unterstützen (BAuA, TU Berlin, April 2024). 

Farbtemperatur 

Die Farbtemperatur von Licht, gemessen in Kelvin (K): Farbtemperaturen unter 3.300 K werden als Warmweiß bezeichnet, 3.300-5.300 K als Neutralweiß und über 5.300 K als kaltweiß und tageslichtähnlich. 

Mehr als nur Normen erfüllen 

Trotz umfangreicher Forschung und klarer Vorgaben wie der DIN EN 12464-1 orientieren sich die meisten Standards noch immer an den Anforderungen des Frontalunterrichts, mit gleichmäßig hohen Beleuchtungsstärken im gesamten Raum. Moderne Lernformen wie Clusterarbeit oder offene Lernlandschaften benötigen jedoch flexible Lösungen, die sich auf einzelne Arbeitsbereiche anpassen lassen. 

Die niederländische Lichtdesignerin Imke Wies van Mil zeigt in ihrer Dissertation Artificial Lighting Design for Primary Learning Environments, dass gute Beleuchtung weit mehr leisten kann, als nur Normwerte zu erfüllen. In ihrer Feldstudie erwiesen sich variable Lichtbedingungen je nach Lernaktivität als besonders wirksam: 

  • Fokussiertes Lernen: „Pools-of-light“ mit mehreren Pendelleuchten (500–600 Lux, intime Atmosphäre) schaffen kleine Lichtinseln innerhalb des Raums. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf die eigene Arbeit zu lenken und Ablenkungen zu minimieren. Das Prinzip ähnelt dem im Gastgewerbe: Lokales Licht, wie etwa Kerzenlicht, erzeugt in Restaurants private Mikroumgebungen für einzelne Gruppen. Übertragen auf den Lernraum bedeutet das: Wer in einem hellen Bereich sitzt, der von einer dunkleren Umgebung umgeben ist, konzentriert sich eher auf seine eigene Aufgabe. 

  • Frontalunterricht: Gleichmäßige Deckenbeleuchtung oder ausschließlich Tageslicht sorgen für eine sanfte, homogene Hintergrundbeleuchtung ohne visuelle Ablenkungen. So bleibt die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler auf Lehrkraft und Tafel beziehungsweise Smartboard gerichtet. Gleichmäßiges Licht unterstützt zudem gemeinschaftliche Aktivitäten. 

  • Freies Spiel und Kreativphasen: Gleichmäßige Deckenbeleuchtung, möglichst ohne Pendelleuchten, fördert Austausch, Kreativität und Bewegung. Hier steht nicht die konzentrierte Einzelarbeit im Vordergrund, sondern eine offene, anregende Atmosphäre für soziale und kreative Prozesse. 

Unterschiedliche, flexibel anpassbare Beleuchtungssysteme können zudem inklusive Lernumgebungen unterstützen. Während einige Kinder hohe Beleuchtungsstärken brauchen, um gut lesen und schreiben zu können, empfinden andere einen gleichmäßig hell ausgeleuchteten Raum schnell als überstimulierend. Pauschale Vorgaben werden diesen unterschiedlichen Bedürfnissen daher kaum gerecht. 

Praxisempfehlungen für Schulen

  • Tageslicht zuerst planen: Große Fensterflächen erhöhen den Anteil des Tageslichts, das in Klassenzimmer und Lernlandschaften fällt. Gleichzeitig gilt es, blendendes Licht mithilfe von Beschattungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Jalousien, zu vermeiden. 

  • Helle Oberflächen: Wände, Decken und Böden in hellen Farben reflektieren mehr Licht und reduzieren den Energiebedarf. 

  • Variabilität schaffen: Unterschiedliche Beleuchtungszonen und steuerbare Lichtstimmungen bieten optimale Bedingungen für verschiedene Lernformen. So können sich Schülerinnen und Schüler den Platz aussuchen, der in Helligkeit und Atmosphäre am besten zu ihren individuellen Bedürfnissen passt. 

  • Störungen vermeiden: Blendung, harte Schatten und Reflexionen auf Tafeln oder Bildschirmen verhindern 

  • LED-Technik nutzen: LED-Leuchten sind dimmbar, energieeffizient und besitzen einen hohen Farbwiedergabeindex. Neutralweißes bis tageslichtweißes Licht eignet sich für konzentriertes Arbeiten, wärmere Töne bieten sich für kommunikative Aufgabenan. 

  • Flexible Leuchtenarten: zum Beispiel Pendelleuchten für fokussierte Lerninseln, Deckenleuchten für Grundbeleuchtung, Wandfluter für vertikale Helligkeit  

  • Pausen nach draußen verlegen: Tageslicht am Morgen oder Vormittag stabilisiert den biologischen Rhythmus und verbessert die Schlafqualität. 

  • Abend-Screen-Hygiene kommunizieren: Helles, blauhaltiges Licht am frühen Abend verzögert die innere Uhr und kann den Schlaf stören. Deshalb sollten Schülerinnen und Schüler ihre Geräte vor dem Schlafengehen möglichst wenig nutzen, und wenndoch, dann mit reduziertem Blaulichtanteil.

Licht beeinflusst nicht nur, was wir sehen – es ist ein zentraler Bestandteil pädagogischer Architektur. Durchdachte Beleuchtung kann langfristig Gesundheit, Wohlbefinden und Lernleistungen von Schülerinnen und Schülern fördern – und ist damit eine Investition, die sich für Bildungseinrichtungen in vielerlei Hinsicht auszahlt. 

  • Baloch, R. M., Maesano, C. N., Christoffersen, J., Banerjee, S., Gabriel, M., & Sakellaris, I. (2020). Daylight and school performance in European schoolchildren. International Journal of Environmental Research and Public Health, 18(1), 258. https://doi.org/10.3390/ijerph18010258 

  • Barrett, P., Zhang, Y., Davies, F., & Barrett, L. (2015). Clever classrooms: Summary report of the HEAD Project. University of Salford. Retrieved from https://usir.salford.ac.uk/id/eprint/35232/ 

  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), & Technische Universität Berlin. (2024). 12. Symposium „Licht und Gesundheit“: Tagungsdokumentation (10.–11. April 2024, Dortmund). BAuA. Abgerufen von https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/Gd114.pdf 

  • Cheryan, S., Ziegler, S. A., Plaut, V. C., & Meltzoff, A. N. (2014). Designing classrooms to maximize student achievement. Policy Insights from the Behavioral and Brain Sciences, 1(1), 4–12. https://doi.org/10.1177/2372732214548677  

  • DIN EN 12464-1 – Licht und Beleuchtung 

  • Lekan-Kehinde, M., & Asojo, A. O. (2021). Impact of Lighting on Children’s Learning Environment: A Literature Review. WIT Transactions on Ecology and the Environment, 253, 371–380. https://doi.org/10.2495/SC210311 

  • Llinares, C., Castilla, N., & Higuera-Trujillo, J. L. (2021). Do attention and memory tasks require the same lighting? A study in university classrooms. Sustainability, 13(15), Article 8374. https://doi.org/10.3390/su13158374   

  • Stothard, E. R., McHill, A. W., Depner, C. M., Moehlman, T. M., Ritchie, H. K., Guzzetti, C. C. & de la Iglesia, H. O. (2023). Daytime light exposure is a strong predictor of seasonal variation in sleep and circadian timing of university students. Journal of PinealResearch, 75(2), e12871. https://doi.org/10.1111/jpi.12871 
  • van Mil, I. W. (2020). Artificial Lighting in Schools. In DETAIL School Buildings: Spaces for learning and the community (1 ed., Vol. 1, pp. 26-31).