Gegen rassistische Inhalte in Schulbüchern: Das empfehlen Fachleute

Viele Bildungsmedien reproduzieren rassistische Stereotype. Das belegt eine Auswertung des Leibniz Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut.

Eckhardt Fuchs

Simiao Yu

Lesezeit: 5 Minuten
Eine Schülerin arbeitet mit einem Schulbuch.
© pexels, karola g

Schulische Lehr- und Lernmaterialien sind mehr als nur neutrale Wissensvermittler. Sie transportieren soziale Werte und Normen. Sie haben das Potenzial, gesellschaftliche Vielfalt und Zusammenhalt zu fördern und eine nachhaltige, gerechte und inklusive Bildung zu stärken. Gleichzeitig können sie aber auch diskriminierende Vorstellungen reproduzieren, insbesondere in Bezug auf rassismusbezogene Inhalte. Diese beeinflussen die Selbstwahrnehmung und das Gesellschaftsverständnis von Schülerinnen und Schülern und anderen in Bildungskontexten Beteiligten erheblich.

Vor diesem Hintergrund hat das Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut in Zusammenarbeit mit der UNESCO die Studie „Unmasking Racism. Guidelines for Educational Materials“ veröffentlicht. Die Studie systematisiert internationale Schulbuchanalysen zum Thema Rassismus und leitet daraus Leitlinien zur Bekämpfung von Rassismus in und durch Bildungsmedien ab.

Um mehrdimensionale wissensbasierte Zugänge zu schaffen, sollten Bildungsmedien aktuelle wissenschaftliche Diskurse und Themen öffentlicher Debatten aufgreifen. Dabei ist zu beachten, dass nicht nur in sozialwissenschaftlichen Unterrichtsfächern eine kritische Auseinandersetzung mit Rassismus erforderlich ist. Auch Bildungsmedien für naturwissenschaftliche und andere Fächer laufen Gefahr, implizit rassistische Vorstellungen weiterzugeben. Rassismus sollte daher als Querschnittsthema fächerübergreifend verankert sein, um dem entgegenzuwirken. Schülerinnen und Schüler sollten grundlegende Kenntnisse und Kompetenzen erwerben, um seriöse wissenschaftliche Erkenntnisse von pseudowissenschaftlichen Behauptungen und kulturell geprägten Interpretationen empirischer Daten unterscheiden zu können. Auch widersprüchliche Evidenzen und wissenschaftliche Kontroversen sollten transparent gemacht werden.

Neben dem wissensbasierten Zugang ist eine subjektorientierte Auseinandersetzung wichtig, die auf das Empowerment aller Schülerinnen und Schüler abzielt. Kinder und Jugendliche sollten darin unterstützt werden, ihre eigene Positionierung und Beteiligung an gesellschaftlichen Machtverhältnissen vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen zu reflektieren und ein Bewusstsein für Deutungs- und Gestaltungsspielräume zu entwickeln. Ein rassismussensibles Sprachbewusstsein und das Verständnis der Zusammenhänge zwischen Sprache und Macht können hierzu beitragen.

Zur Person

Prof. Dr. Eckhardt Fuchs leitet seit Oktober 2015 das Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut. 

Zur Person

Simiao Yu ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut