Lernen Schülerinnen und Schüler besser, wenn es ihren Lehrkräften gut geht?

Das Wohlbefinden von Lehrkräften und Schülerleistungen hängen zusammen. Doch wie dieser Zusammenhang entsteht und was Schulen daraus lernen können, ist weniger eindeutig

Ann-Kathrin Bielang

Lesezeit: 4 Minuten
Luftballons mit Smiley-Gesichtern vor einem blauen Himmel.
© unsplash, madison oren

Wenn es Lehrkräften gut geht, sind ihre Schülerinnen und Schüler im Durchschnitt etwas motivierter und erzielen etwas bessere schulische Ergebnisse. Eine neue Meta-Analyse mit mehr als 350.000 Lehrkräften zeigt diesen Zusammenhang über viele Studien hinweg. Doch was verbindet das Wohlbefinden der Lehrkraft mit dem Lernen der Klasse? Und wo liegen mögliche Ansatzpunkte für Schulen?

Lässt sich am Wohlbefinden einer Lehrkraft ablesen, wie gut ihre Schülerinnen und Schüler lernen? Ganz so einfach ist es nicht. Eine neue Meta-Analyse zeigt jedoch: Geht es Lehrkräften besser, sind ihre Schülerinnen und Schüler im Durchschnitt etwas motivierter und erzielen etwas bessere schulische Ergebnisse. Umgekehrt gehen stärkeres Stresserleben, Burnout und andere psychische Belastungen mit etwas ungünstigeren Ergebnissen einher.

Für ihre Analyse haben die Forschenden 186 Studien mit mehr als 350.000 Lehrkräften ausgewertet. Der Zusammenhang ist klein, zeigt sich aber über viele unterschiedliche Studien hinweg. Das positive Wohlbefinden der Lehrkräfte steht dabei etwas stärker mit den Schülerergebnissen in Verbindung als deren psychische Belastungen.

Eine Einschränkung gibt es: Aus den Daten lässt sich nicht ablesen, wodurch der Zusammenhang entsteht. Die meisten einbezogenen Studien sind korrelativ; Ursache und Wirkung lassen sich daraus nicht ableiten.

Wohlbefinden ist mehr als die Abwesenheit von Stress 

Eine Stärke der Studie liegt darin, dass sie Wohlbefinden nicht einfach mit der Abwesenheit von Stress gleichsetzt. Berücksichtigt wurden unter anderem Selbstwirksamkeit, berufliche Motivation, Arbeitszufriedenheit und Bindung an den Beruf sowie verschiedene Aspekte psychologischer Funktionsfähigkeit. Dazu gehören etwa positive Gefühle, Freude und Resilienz.

Damit folgt die Studie einem Verständnis von Wohlbefinden, bei dem positives Funktionieren und psychische Belastungen nicht einfach zwei Seiten derselben Medaille sind. Eine Lehrkraft kann also wenig Stress erleben und trotzdem wenig motiviert oder unzufrieden mit ihrer Arbeit sein. Umgekehrt kann sie hohe Anforderungen erleben und sich dennoch kompetent, engagiert und beruflich erfüllt fühlen.

Und tatsächlich findet sich in den Daten kein einzelner Bereich, der deutlich stärker mit den Ergebnissen der Schülerinnen und Schüler verbunden wäre als die anderen. Wohlbefinden zeigt sich hier vielmehr als Bündel verschiedener Erfahrungen: Fühle ich mich meiner Arbeit gewachsen? Habe ich Freude daran? Bin ich erschöpft? Erlebe ich meine Arbeit als sinnvoll?

Was passiert im Unterricht?

Wie der Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden der Lehrkräfte und Schülerleistungen entsteht, untersucht die Meta-Analyse nicht direkt. Eine mögliche Erklärung liegt den Forschenden zufolge jedoch nahe: Wer sich kompetent, motiviert und voller Energie erlebt, hat möglicherweise mehr Spielraum für das, was guten Unterricht ausmacht: eine Klasse zu führen, auf einzelne Schülerinnen und Schüler einzugehen, Lernprozesse zu begleiten und auch in schwierigen Situationen ruhig und zugewandt zu bleiben.

Bei dauerhafter Erschöpfung kann es umgekehrt schwieriger werden, diese Ressourcen aufzubringen. Stress könnte dann nicht nur die Lehrkraft selbst belasten, sondern auch beeinflussen, wie Unterricht gestaltet wird und wie viel Aufmerksamkeit für einzelne Schülerinnen und Schüler bleibt.

Nicht jede Schule ist gleich

Besonders interessant wird der Befund beim Blick auf die Schulart. In weiterführenden Schulen ist der Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden der Lehrkräfte und den Ergebnissen ihrer Schülerinnen und Schüler stärker als in Grundschulen.

Warum das so ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Eine mögliche Erklärung liegt den Forschenden zufolge in der Rolle der Lehrkräfte: Bei älteren Schülerinnen und Schülern scheinen Lehrer-Schüler-Beziehungen stärker mit Engagement und Leistung zusammenzuhängen. Zugleich gewinnen Lehrkräfte in der Sekundarstufe möglicherweise an Bedeutung für die akademische Orientierung, während der Einfluss der Eltern auf das schulische Lernen im Laufe der Schuljahre abnimmt.

Bemerkenswert ist dabei ein zweiter Befund: Für Stress und Burnout zeigt sich dieses Muster nicht. Deren Zusammenhang mit Schülerergebnissen unterscheidet sich nicht signifikant nach Schulart.

Wohlbefinden ist auch eine Frage der Arbeitsbedingungen

Der Befund lenkt den Blick auf eine Frage, die über die einzelne Lehrkraft hinausgeht: Unter welchen Bedingungen kann Wohlbefinden im Schulalltag überhaupt entstehen? Arbeitsbelastung, Handlungsspielräume, Unterstützung durch die Schulleitung und die Zusammenarbeit im Kollegium gehören zu den Faktoren, die in der Forschung mit dem Wohlbefinden von Lehrkräften verbunden sind. Sie beeinflussen, welche Anforderungen im Berufsalltag auf Lehrkräfte treffen – und welche Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen, damit umzugehen.

Wohlbefinden ist damit nicht allein eine Frage individueller Widerstandskraft. Es hängt auch davon ab, wie Arbeit organisiert ist: wie viel Gestaltungsspielraum Lehrkräfte haben, welche Unterstützung sie erfahren und ob Belastungen im Kollegium aufgefangen werden können. Wer über das Wohlbefinden von Lehrkräften spricht, sollte deshalb nicht bei individuellen Strategien gegen Stress stehen bleiben. Auch die Arbeitsbedingungen selbst gehören in den Blick.

Was folgt daraus für die Praxis?

Die Studie liefert einen weiteren Hinweis darauf, das Wohlbefinden von Lehrkräften nicht als Nebenthema zu behandeln. Wenn es mit Motivation und Leistung von Schülerinnen und Schülern zusammenhängt, wird relevant, unter welchen Bedingungen Lehrkräfte ihre Arbeit gut und gesund ausüben können. Dabei geht es um individuelle Bewältigung von Belastungen ebenso wie um die Bedingungen, unter denen Lehrkräfte arbeiten.

Was davon tatsächlich etwas bewirkt, bleibt in der Studie offen. Genau deshalb plädieren die Autorinnen und Autoren für mehr Interventions- und Längsschnittforschung. Sie wollen wissen, welche Formen der Unterstützung tatsächlich etwas verändern.

Die Botschaft der Studie ist damit weder „Lehrkräfte müssen einfach resilienter werden“ noch „Wer glückliche Lehrkräfte hat, hat automatisch bessere Leistungen“. Sie ist nüchterner und gerade deshalb interessant: Das Wohlbefinden von Lehrkräften steht mit dem Lernen ihrer Schülerinnen und Schüler in Zusammenhang. Entscheidend ist nun die Frage, was diesen Zusammenhang trägt und ob sich daran tatsächlich etwas verändern lässt.

Dicke, T., Ferber, K., Devine, E. et al. (2026). Association of teacher well-being with student motivation and achievement: A systematic review and meta-analysis. Educational Psychology Review, 38(123). https://doi.org/10.1007/s10648-026-10216-6