Das Recht auf Bildung und der schwierige Weg zu Mindeststandards in der Schule

Impulse-Dialog über Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern mit der SWK-Vorsitzenden Felicitas Thiel und dem Bildungshistoriker Heinz-Elmar Tenorth

Nina Voigt

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Schulkinder beim Lesen üben
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Hinter dem Begriff Mindeststandard stecken je nach Kontext unterschiedliche Bedeutungen – das wurde schnell deutlich beim Gespräch zwischen Felicitas Thiel, Professorin für Schulpädagogik und Vorsitzende der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz, und Heinz-Elmar Tenorth, emeritierter Professor für historische Erziehungswissenschaft an der Freien Universität Berlin.  Der „unverzichtbare Mindeststandard“ laut Bundesverfassungsgericht ziele auf die Angebotsstruktur der Schule und gleichzeitig auf die gesamte Schulbildung der Kinder ab, also auf fachliche Kenntnisse wie auf soziale Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler erlernen müssten, um selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben zu können, betonte Tenorth. Die Mindeststandards, die das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) entwickelt hat, sind dagegen allein auf einzelne Schulfächer bezogene Kompetenzen. Hier hat der jüngste IQB-Bildungstrend gezeigt, dass der Anteil der Viertklässlerinnen und Viertklässler, die den Mindeststandard nicht erreichen, in allen Kompetenzbereichen teils deutlich zugenommen hat.

Zur Person

Prof. Dr. Felicitas Thiel ist Professorin für Schulpädagogik und Schulentwicklungsforschung an der FU Berlin. Seit 2014 ist Thiel Herausgeberin der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft. Seit 2021 ist sie die Ko-Vorsitzende der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz. Thiel gehört zu den Herausgebern des Online-Magazins schulmanagement.

Zur Person

Heinz-Elmar Tenorth ist emeritierter Professor für Historische Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sein Forschungsinteresse gilt vor allem der Geschichte der Erziehungswissenschaften und ihren Forschungsmethoden, sowie der Universitätsgeschichte. Er hat zahlreiche programmatische Arbeiten zum Bildungsbegriff verfasst und eine Reihe bildungspolitischer Stellungnahmen vorgelegt, so zum Beispiel zum Kerncurriculum der gymnasialen Oberstufe oder zum Konzept von Bildungsstandards. In diesem Zusammenhang beschäftigt ihn vor allem die Frage, wie in unserem Schulsystem mehr Bildungsgerechtigkeit erreicht werden kann. Dabei plädiert er nachdrücklich für die Festlegung von Mindeststandards, die er als unerlässliche Voraussetzung zur Gewährleistung von gesellschaftlicher Teilhabe sieht.