Welche Rolle spielen Geschlechterstereotype in der Schule?

Vorurteile haben Folgen. Was das im Schulalltag für Mädchen und Jungen bedeutet, erläutert Prof. Dr. Ursula Kessels in einem Gastbeitrag.

Ursula Kessels

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Kleines Junge ist gelangweilt in der Schule und liegt mit dem Oberkörper auf dem Tisch
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Aber es werden nicht nur die einzelnen Schulfächer geschlechtstypisiert, indem sie als „Jungenfächer“ (Physik, Sport, Mathematik) oder „Mädchenfächer“ (Kunst, Deutsch) gelten. Auch bestimmte Verhaltensweisen in der Schule gelten als entweder typisch für Jungen oder typisch für Mädchen. Diese Zuschreibungen, wie sich die Geschlechter jeweils verhalten, wie sie lernen und Leistungen erbringen, sind ebenfalls Bestandteile der Geschlechterstereotype. 

Diese stereotypen Zuschreibungen haben sowohl für Mädchen als auch für Jungen negative Auswirkungen auf die Schullaufbahn. Jungen beispielsweise müssen stärker als Mädchen befürchten, negative Reaktionen von ihren Mitschülern zu erhalten, wenn sie sich in der Schule anstrengen – und tun entsprechend weniger beziehungsweise können sich nur „heimlich“ auf Arbeiten vorbereiten.

Der Vergleich verschiedener Studienfächer zeigt, dass der Frauenanteil umso geringer ausfällt, je eher für ein Fach angeblich „Brillanz“ notwendig ist, also eine außergewöhnlich hohe Begabung, die nicht erlernbar ist. Experimentelle Studien belegen, dass sich weibliche Studierende eher Fächer zutrauten, die so beschrieben wurden, dass sie hohes Engagement erfordern, als solche, die eine hohe Begabung voraussetzten. An diesen Studien zeigt sich nochmals deutlich, welche weitreichenden ungünstigen Auswirkungen das Stereotyp des „fleißigen Mädchens“ auf die Karrierewege junger Frauen haben kann.